Bolivien – Salar de Uyuni – 3650 m

Es gab noch einen weiteren triftigen Grund, den Ort Uyuni aufzusuchen: Er dient als Ausgangspunkt für einen Besuch des Salar de Uyuni, das Garstigste, was sich die Landschaftsarchitekten bei der Schaffung unseres Planeten ausgedacht haben: Endlos, flach, monochrom und eigentlich unbewohnbar. Diese sogenannten Salzpfannen, entstehen durch Auswaschen des Salzes aus den umliegenden Bergen und durch anschließendes Austrocknen.
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Es ist unglaublich, aber auch Menschen haben sich am und auf dem See angesiedelt. Sie lebten von der Verarbeitung des Salzes und nun vom Tourismus. Traditionell wohnen sie in Häusern, die sie – wie auch die Möbel – aus Salz gebaut haben. Sie sägen ziegelgroße Blöcke aus dem Salz und setzen diese zu einem Haus zusammen.
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Manchmal haben die Salare unterirdische Wasserreservoirs. In unserem Fall ist der Salar in der Regenzeit – und das ist jetzt – mit einer wenige Zentimeter hohen Wasserschicht teilweise bedeckt. Der Salar ist wegen des vielen Salzes eigentlich absolut lebensfeindlich. Allein eine bestimmte, kleine Krebsart kann dort überleben und über die freuen sich die Flamingos. Trotz sonst fehlender Fauna und Flora hat der Salar eine Ästethik, die ihn anziehend macht.
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Außerdem bietet er die Möglichkeit für perspektivische Fotografien oder Filme, weil er wegen seiner Eintönigkeit die Eigenschaften eines sehr, sehr großen Fotostudios bietet.
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Davon haben schon die meisten seiner Besucher gehört, daher bringen sie Spielzeugfiguren oder Modelle von Objekten mit, um dann diese trickigen fotografias de perspectiva zu machen. Sehr beliebt ist der Gummi-Tyrannus-Saurus. Wer jetzt wieder an das Gesichtsbuch denkt, liegt völlig richtig.
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Ein weiterer Reiz besteht darin, dass das sehr salzhaltige und flache Wasser wegen seiner physikalischen Eigenschaften spiegelglatt ist. Dadurch lassen sich diese eigenartig gespiegelten Horizontaufnahmen machen…
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… und nach Überwinden einer gewissen Schamgrenze diese Hüpfbilder… .
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Über die Salzdecke ist vor kurzer Zeit ein großes Motorsport-Event gebrettert. “La Dakka!”, wie man die Rallye Dakar hier ehrfurchtsvoll nennt, läuft uns schon seit Salta um nur wenige Tage voraus. Selbst in höheren Bildungsschichten ist man sehr stolz darauf, Gastgeber des Spektakels sein zu dürfen. Nur eine Saison haben die lokalen Organisatoren benötigt, um das Chaos des rasch vorüberziehenden Motor-Zirkuses zu beherrschen, berichtete unser indigener Fahrer mit dem arabischen Namen Omar.
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Am fußläufigen Rande des Sees haben wir ein Zimmer in einem Salzhotel bezogen, um auch die Stimmung am Abend, in der Nacht und am nächsten Morgen aufnehmen zu können. In und an diesem diesem Hotel, das sich derzeit noch im Bau befindet, bestand alles aus Salz – bis auf Fenster und Türen (und natürlich bis auf die Bettwäsche, die Handtücher, den Fernseher etc.). Die, bedingt durch das Baumaterial, nicht gänzlich besenreinen Zimmer lassen einen wunderbaren Blick auf den Salar zu. Das Ambiente bietet eine hervorragende Gelegenheit, den Kellner beim Abendessen oder beim Frühstück nach dem Salzstreuer zu fragen ;-)
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Bolivien – Oruro und Uyuni – 3550 m

Eine Busfahrt im Regen brachte uns in 4 Stunden rund 200 Andenkilometer weiter nach Oruro. Die Bergarbeiterstadt ist im Land für seinen ausschweifenden Karneval bekannt. Interessierte Reisende sollten Bolivien-Erfahrung mitbringen, hier gibt es nichts für Einsteiger. Uns zog ihr Bahnhof an, der eine Zugfahrt nach Uyuni gestattete.
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Der Zug war natürlich nicht pünktlich und musste zudem das Passieren eines weiteren Zuges in die entgegengesetzte Richtung abwarten. Der Bahnsteig bot jedoch schöne Szenen, in denen die Themen Abschied und Warten bearbeitet wurden.
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Nachdem der Zug auch den gewerblichen Teil Oruros verlassen und auch das letzte Rennen gegen wütende Straßenköter gewonnen hatte, rüttelte er über die um 1910 grob verlegten Gleise, die am Rand eines traumhaften Sees und Vogelparadieses entlang führten. Flamingos, Enten und andere Schwimmvögel stiegen aufgeschreckt empor oder begleiteten uns einige Meter.

Als sich die Nacht über die hochandine Landschaft legte, widmete ich meine Aufmerksamkeit dem Klassiker “Terminator 2″, der zum Bordprogramm gehörte. Noch vor “Hasta la Vista, Baby” erreichten wir Uyuni.
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Ein Blick aus dem Treppenhaus des Hotels, in dem wir aus Witterungsgründen ein fensterloses Zimmer bewohnten, machte am nächsten Morgen klar, dass man diesen Ort nicht zweimal besuchen muss.
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Unser Interesse galt zunächst einem Eisenbahnfriedhof, den man nach einem halbstündigen Spaziergang auf den Gleisen und durch den unwirtlichen Stadtrand Uyunis erreichen konnte.
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Auf dem sandigen und spärlich bewachsenen Gelände wurden unzählige Lokomotiven und Waggons aus der Dampfmaschinenära abgestellt, nachdem sie jahrzentelang gewaltige Mengen Silber, Salz und andere Mineralien aus den Bergwerken und Salinen der Hochebene an die Pazifik- und Atlantik-Küsten Südamerikas geliefert hatten.
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Mit etwas Phantasie konnte man sich vorstellen, wie die Heizer an den offenen Feuerklappen schwitzten um gegen die Sauerstoffarmut der Hochandenluft anzuschaufeln; oder wie dichter Rauch aus den Schornsteinen puffte um die schwer beladenen Waggons im Schritttempo über den Pass zu ziehen.
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Nach der Umrüstung der Bahn auf Dieselbetrieb hatte man für sie nicht einmal mehr Verwendung als Ersatzteilspender. Lange Jahre vergessen waren sie der Witterung und dem Oxidationsprozess ausgeliefert bis sie vor einigen Jahren für den Tourismus wiederentdeckt wurden.
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Ähnliches habe ich als aufmerksamer Eisenbahnfan noch nicht gesehen! Wären dort nicht auch täglich unzählige Gruppen Selfie-Stick bewaffneter Backpacker, die auf dem Schrott lateinamerikanischer Wirtschaftsgeschichte herumturnten und selbstverliebte Bildnisse gegen flüchtige Aufmerksamkeit an das Gesichtsbuch verkauften, wäre ich gerne hier begraben.
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Bolivien – Cochabamba – 2600 m

In der Ankunftshalle des Flughafens empfing uns Señor Rafael. Eigentlich steht er mit Agnes in einer beruflichen Verbindung. Mein Eindruck war, dass sich Ihr Arbeitsverhältnis auch mit dem Wort freundschaftlich sehr treffend beschreiben lässt. Er führte uns auf den Parkplatz und ich ahnte bereits, dass er uns mit einem seiner Sammlungsstücke überraschen würde, von denen ich bereits gehört hatte.
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Ich sollte Recht behalten, denn vor einem weißen Volkswagen blieb er stehen und öffnete eine Heckklappe, die den Schriftzug „Variant“ trug. Es zeigte sich ein vorbildlich gepflegter Innenraum mit Originalausstattung. Ohne Zögern zündete der flache 1600er im Heck und die über Stößel bewegten Kipphebel brachten die Ventile zu ihrem Boxer-typischen Klingeln.
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„Und, was sagst Du?“, war einer seiner ersten vollständigen Sätze in Deutsch. Während ich den Zustand des in Brasilien unter dem Namen „Brasília“ gebauten Oldtimers lobte, zog das Stadtbild Cochabambas an uns vorbei. Die neuere Geschichte der Stadt war mir bereits aus dem gelungenen Budget-Streifen „Und dann der Regen“ bekannt.
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Der Krieg um das Wasser ist zunächst vorbei, doch zum ersten Mal bemerkte ich den unverstellten Gegensatz von bemühter Moderne und bitterer Armut. Viele ältere Menschen und Frauen mit Kindern in prekären Zustand betteln an Verkehrsampeln, auf Platzen und in Eingängen.
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Wir besichtigten die ehemalige Residenz eines Zinnbarons und sind beeindruckt von der Pracht und der Verschwendung, die die meist aus Europa stammende Ausstattung ausstrahlte. Das Haus dient heute als Kulturzentrum.
Den Abend verbrachten wir als Gast bei einem Unternehmer, der neben uns und Señor Rafael noch Freunde aus Politik und Kultur eingeladen hatte. Das Thema der übersichtlichen Runde war Bolivien, seine Bildungspolitik und … Evo Morales. Einige Sätze dieses Abends haben uns sehr beeindruckt und werden noch häufiger Gegenstand unserer „Bolivien-Analysen“ sein.
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Nicht nur wir, auch die Menschen auf der Straße sind politisiert. In „offenen Universitäten“ halten auf öffentlichen Plätzen selbsternannte Professoren Vorlesungen zu Imperialismus und Neoliberalismus. Keine schlechte Idee, über die Feinheiten kann man auch später noch im Detail reden!
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Am nächsten Tag querten wir die Altstadt und stürzten uns in das farbenfrohe Getümmel des unübersichtlichen Regionalmarktes La Cancha.
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Wer hierher kam, ist zuvor einem der liebevoll am Blubbern gehaltenen Dodge D-4000 entstiegen und hat den Komfort und die Eleganz des öffentlichen Nahverkehrs Boliviens am eigenen Leib buchstäblich erfahren.
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Dieser Markt ist ein Spektakel aus Farben, Generationen, Geräuschen und Gerüchen; Bolivien, auf einem sehr verdichteten Raum…
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Bolivien – Nationalpark Amboró – Tag 2

Zahlreiche nächtliche Aktivitäten ausserhab unseres Schlafraumes hatten uns beunruhigt. Doch zum einen war uns klar, dass Urwaldbewohner meist nachtaktiv sind, zum anderen ergab ein vorsichtiges Öffnen der Tür, dass Chicito auf unserer Fussmatte lag. Ausserdem hatten sich nach Aussagen des Führers die Pumas bislang mit der Dezimierung der Schafherde auf dem Gelände begnügt.
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In der ersten Morgendämmerung erwachten wir und begaben uns auf die Veranda um die Vögel zu beobachten. Kleine und große Schwärme sammelten sich und vereinbarten die Losungen des Tages. Papageien wechselten in großer Zahl und mit lautem Geschrei von einem Felsenrand zum anderen; leider immer zu schnell für die Lichtverhältnsse oder einfach zu weit entfernt für ein gutes Foto. Ich erinnerte mich an einen grünen Papagei in meiner Kindheit, den meine Eltern aus einem Franco-Spanien-Urlaub mitgebracht hatten. Sein Mitteilungsbedürfnis hat uns oft den letzten Nerv gekostet.
Erwartungsfroh machen wir uns auf den Weg um einen weiteren Themenpfad abzuarbeiten…

Die Tageszusammenfassung mit Dschungelprüfungen: Tag 2

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Hier hängen nicht die Riesenfaultierhoden vom Baum sondern kunstvoll geflochtene Nester.

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XYZ-Promis müssen nicht nackig im Naturbad plantschen.

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Abseits der Pfade war kein Durchkommen.

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Viel Raum für weitere Siedlungsgemeinschaften

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Bitte laut krächzen wenn sich jemand nähert!

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Eigentlich ein tolles Boket, oder ;-)

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Der endemische Sapor ist vollkommen ungefährlich, wenn er sich nicht bedroht fühlt. Denn dann platziert er giftige Spucke vorzugsweise im Gesicht. Als Dekoration bei Dschungelprüfungen ungeeignet!

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Chikito hat ein Gürteltier aufgestöbert, dass sich flugs in seinen Bau zurückgezogen hat. Engagiertes Graben hat zu keinem Erfolg geführt; im Ergebnis keinen Stern und keine Essensration.

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Sonnenanbeter wundern sich über die neuen Camp-Bewohner.

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Chicito hat ein Nest im Waldboden ausfindig gemacht und seine neugierige Schnautze hineingesteckt. Wir schimpfen mit ihm, was aber einen fragwürdigen Nutzen hat. Das Nest wird überprüft und das Wohlbefinden der Piepmätze sichergestellt. Meine einschlägigen Kleingärtnererfahrungen mit Vogelnestern nähren unsere Hoffnung, dass sich die Aufregung bald legt und Alles wieder gut wird.

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Den will selbst Chicito nicht schlucken, der sonst wirklich alles hinunterwürgt.

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Meine schwache Ausbeute hat den Respekt vor Schmetterlingsjägern und Naturfotografen um etliche Einheiten erhöht.

Literatur für Reisende und Träumer

Zum Lesen blieb auf unserer Reise bisher wenig Zeit. Unsere Freizeit in der Unterkunft verbringen wir mit Orga für die Weiterreise und in Bussen fällt mir das Lesen schwer, weil mir dabei übel wird.

Trotzdem habe ich inzwischen zweieinhalb Bücher geschafft, deren Lektüre mir Land und Leute näher gebracht hat.

Zunächst einmal wäre da die “Gebrauchsanweisung für Argentinien” von Christian Thiele zu nennen. Thiele hat mir die Gefühlslage der Argentinier näher gebracht, auch wenn noch viele offene Fragen bleiben. So überrascht es mich immer noch, wie gut informiert und gebildet jeder Taxifahrer in Buenos Aires daherkommt und warum dieses Land, das soviel Potential hat, trotzdem von seinen Politikern von einer wirtschaftlichen Misere in die nächste manövriert wird.

Thiele versucht sich an der Definition des Peronismus und erzählt von argentinischen Volksheiligen wie Evita Peron und dem Gauchito Gil, zu dessen Ehren am Straßenrand noch heute von LKW-Fahrern kleine rote Altäre geschmückt werden.

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Ich habe dieses Buch auf meinem kleinen, neuen Ebook-Reader gelesen. Eine praktische Anschaffung für die Reise, allerdings haben wir festgestellt, dass er für Bücher, die zum Nachschlagen genutzt werden, wie z.B. unsere Reisefüher, nur bedingt geeignet ist. Es ist nämlich je nach Ebook-Format sehr umständlich, zwischen den Kapiteln zu wechseln.

Mitten in Patagonien habe ich mir das Buch “Patagonia Express” von Luis Sepúlveda gekauft. Der Chilene beschreibt darin, wie er seinem Großvater als Junge das Versprechen gab, diese Reise ins Nirgendwo zu unternehmen. Er erzählt von seiner Gefangenschaft während der chilenischen Militärdiktatur und der darauffolgenden Irrfahrt durch Südamerika und Europa, bis hin zu seiner Rückkehr in die Heimat. Die kleinen Geschichten über Begegnungen mit Eigenbrötlern und Abenteuerern lassen einem beim Lesen die besondere Mentalität der Menschen vom Ende der Welt spüren. Besonders gut gefallen hat mir, dass Sepúlveda in Europa auf Bruce Chatwin trifft – und hier komme ich zum Klassiker unter den Patagonien-Autoren.

Parallel zum Patagonia Express habe ich nämlich, immer wenn Robert das Buch nicht in der Hand hatte, Bruce Chatwins “In Patagonien” gelesen. Dieses Buch ist eine Pflichtlektüre für alle Reisenden ans Ende der Welt. Bereits in den 1970er Jahren hat Chatwin Patagonien bereist. In einer Zeit, als es dort noch keine regelmäßigen Verkehrsverbindungen und touristische Einrichtungen gab, war er auf Mitfahrgelegenheiten mit LKWs angewiesen und hat, wenn es dem Estancia-Besitzer recht war, bei den Gauchos im Stall geschlafen. Chatwin beschreibt Orte und Menschen so charakteristisch, dass sich staubiges Niemandsland wie die Ölstadt Comodoro Rivadavia zu Sehnsuchtsorten von Touristen verwandelt haben und heute Scharen auf Chatwins Spuren pilgern. Ich selbst stecke immer noch in der Mitte der Lektüre fest, aber Robert hat das Buch schon gelesen und bitter bereut, dass wir auf unserer Patagonienreise den Besuch der Höhle des Mylodons – des Riesenfaultiers, das vermutlich vor etwa 12.000 Jahren ausstarb –  ausgelassen haben. Falls Ihr also einmal nach Puerto Natales in Südchile kommt, solltet Ihr den Fundort des Faultiers, die Cueva del Milodón, unbedingt in die Reiseroute aufnehmen.

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Blauer Mann und das Milodón, Puerto Natales

 

Bolivien – Nationalpark Amboró – Tag 1

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Die Ereignislosigkeit in der Dschungelshow eines deutschen Premiumprogrammanbieters hat in uns das Bedürfnis geweckt, selbst wieder einmal ein Camp inmitten eines brodelnden Urwalds zu besuchen. Ein einfach zu lösendes Problem, denn wenn auch hartnäckig vom „Andenstaat Bolivien“ die Rede ist besteht das Binnenland aus 3 Klima- bzw Vegetationszonen: Tropischer Regenwald, Buschsavannen und eben verschiedene Anden-Stufen. Damit wird es – gemessen an der Zahl unterschiedlicher Regionen im Verhältnis zur Fläche – das vielfältigste Land Südamerikas.

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Wir wählten die Pufferzone des Amboró Nationalparks, weil es dort ein privates Refugio (Dschungelcamp) in einer traumhaften Lage gab.

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Das Refugio de los Vulcanes ist von Santa Cruz aus in nicht ganz 2 Stunden mit mehrere Fahrzeugtypen erreichbar, wobei der letzte zwingend einen Vierradantrieb haben muss.

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Trotz der rund 20 Schlafmöglichkeiten in den 10 Räumlichkeiten blieben wir in der Nacht mit unserem jugendlichen Führer und dessen Freundin allein in der Wildnis. Köchin, Hausmeister und deren Kinder fahren am Abend in ihren Wohnort außerhalb des natürlichen Tal-Kessels.

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Von dem jungen Machetenschwinger und Lagerhund Chicito wurden wir tagsüber durch den Wald und die Berge geführt. Dabei folgten sie Themenpfaden, die vorsichtig in das von steilen Bergen umgebene Paradies getreten und geschnitten wurden.

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Die Themen orientierten sich am wahrscheinlichen Antreffen bestimmter Waldbewohner, wobei wir während dreier Wanderungen niemals die Spezies antrafen, die wir erwartet hatten. Immer dabei waren auch Mosquito und Co. die wir uns mit einer Sprühflasche DEET halbwegs vom Leibe hielten, die von unserer Amazonas-Tour noch übrig war.

Die Tageszusammenfassung und die Dschungelprüfungen nun im Einzelnen: Tag 1

Wer Dr. Bob zugehört hat, weiß, dass Baumschlangen fast immer giftig sind. In diesem Fall ist es eine endemische Vibora. Da Dr Bob in Australien weilt, gilt es, den furchtlosen Lagerhund Chicito festzuhalten und nichts Unüberlegtes zu tun!

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Es sieht nur so aus, als hätten die sich gern. Einer muss das Lager verlassen, kann aber noch dauern…

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Raschelnde und knackende Zweige über uns signalisierten, dass wir in rund 30 m über uns eine Gruppe von Followern hatten. Nach kurzer Zeit kippte die Stimmung und sie warfen Hölzchen nach uns. Wir ertrugen dies, Sterne gab es keine.

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Die Humusdecke ist dünn, da kann man nicht tief wurzeln. Für ordentliches Stehvermögen braucht es Brettwurzeln.

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Nicht alles was wie Spargel aussieht, kann die kargen Essensrationen aufwerten. Lieber nicht ohne den Segen von Dr. Bob essen.

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Pilzsucher werden hier auch ausserhalb der Saison immer fündig.

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Auch um das Camp herum gibt es zahlreiche Trittbrettfahrer, die schnell ins Rampenlicht kommen wollen. Hier heißen sie Bromelien oder Aufsitzerpflanzen. Übrigens: Die Ananas ist auch so eine.

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Wenigstens einer, der sich während der zahlreichen Regenschauer mal nützlich macht.

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Bolivien – Santa Cruz de la Sierra – 400 m

Ein Flug von Tarija nach Santa Cruz hat uns rund 50 Euro gekostet. Nicht nur aus diesem Grunde reist man am besten mit der BOA, denn die Straßen sind meist schlecht, die Fahrzeuge verbraucht und häufig schiebt sich ein Erdrutsch nach Starkregen in die Routenplanung. Autofahrten erfordern außerdem regelmäßige Stopps, die zum Kauf von Getränken und Süßigkeiten verpflichten.
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Die Flugzeit ermöglicht es der Crew, jedem Passagier eine Pappschachtel mit 3 gut gepolsterten Keksen und ein Getränk der Wahl anzubieten.
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Santa Cruz ist die Wirtschaftsmetropole Boliviens und für einen Touristen lohnt der Besuch kaum. Hinzu kommt, dass nur das nach dem Plaza-Modell erstellte Zentrum die gewünschte Sicherheit bietet. Die Einwohner übernehmen keine Garantien für die darüber hinausgehenden Bereiche. Allerdings ist der Flughafen ein wichtiges Drehkreuz, so dass man kaum daran vorbeikommt.
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Unser Hostal war ungewöhnlich und von einem Reiseführer empfohlen, dessen Verlag ein vielleicht zu einsamer Planet zu sein scheint. In Anzahl Sterne ließe es sich grafisch darstellen, wenn ein internationales Design für den Minusbereich entwickelt worden wäre. Wir wechselten in ein Business-Hotel, da ich eine Umgebung benötigte, in der ich mich von dem unerwarteten Racheanschlag eines sehr bekannten Azteken-Königs erholen musste.
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In Santa Cruz bekamen wir unsere erste Lektion in bolivianischer Sozialkunde: Das Land zeigt sich tief gespalten. Die Konfliktlinien laufen entlang diverser und sich überschneidender Zustände: Bettelarm oder steinreich, Stadtmensch oder Campesino, Kreole oder Indigen, trockenes Hochland oder wasserreiche Tiefebene. All diese Linien schneiden sich in einem Punkt, ein energiegeladenes Zentrum, das dem bolivianischen Volk einen Sohn geboren hat. Entweder man hasst ihn oder man liebt ihn: Evo Morales. Er ist der erste indigene Präsident Südamerikas – vielleicht sogar ganz Amerikas – und – nach verbreiteter Meinung – spricht er weder fließendes Spanisch noch fehlerfreies Quechua.
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Bolivien – Tarija – 1900 m

Der Agent der bolivianischen Fluggesellschaft schaute hinter seinem Röhrenmonitor hervor und warf einen freundlichen, aber bestimmten Blick über den hölzernen Schreibtisch zu uns herüber. Nein, es gäbe in den kommenden 2 Wochen keinen Flug von Salta nach Bolivien. Dann nahm er einen Stift in die Hand, zog einen Block hervor und schrieb darauf Stichworte seines folgenden Vortrags, wobei er dessen Ortsmarken nochmals unterstrich. Dies sei die Beste der wenigen Möglichkeiten, nach Bolivien zu kommen, fasste er zusammen. Wir folgten seinen Empfehlungen.

Der Bus erreichte die Grenzstadt Aguas Blancas um 5 Uhr morgens. Der Strom war ausgefallen und wir entglitten dem Fahrzeug in die völlige Dunkelheit. Laut Plan sollten wir nun ein Taxi zur Grenze nehmen, doch die ortskundigen Fahrgäste waren schneller. Die endende Nacht verbarg die Verunsicherung in unseren Gesichtern. Unerwartet fragte uns eine junge Frau, ob wir uns ein Taxi mit ihr und ihrem Freund teilen wollten. Wir bejahten das in eine befristete Adoption mündende Anliegen des chilenisch-argentinischen Paares.
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Daniela und Alejandro geleiteten ihre Adoptivkinder alsdann durch die Silhouette der Grenzstation, in der eine Reihe argentinischer Beamter – jeweils mit einer Taschenlampen unter dem Kinn – die Ausreisestempel in mutmaßliche Pässe drückten.
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Die Beiden führten ihre Schützlinge im ersten Morgenlicht über die nur fuß-läufig passierbare Brücke, dem Regenbogen folgend, über den Grenzfluss. Vorbei an der Bürokratie bolivianischer Beamter ohne das übliche Handgeld; mit einem weiteren Taxi ging es in die nahe Grenzstadt, die den Namen des Flusses trug. Sie organisierten ein Collectivo (Sammeltaxi), borgten ihnen das nötige Kleingeld und lieferten sie 4 Stunden später wohlbehalten, dankbar und erschöpft auf der Plaza der Regionalmetropole Tarija ab. Danke!
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Das nach dem Plaza-Modell erstellte Tarija ist die zweite Stufe unseres Planes zur nachhaltigen Höhenanpassung. Wegen ihres relativen Wohlstandes steht sie zudem für einen entschärften Kulturschock beim Erstkontakt mit dem wirtschaftlich schwächsten Land Südamerikas. Die Umgebung Tarijas ist nebenbei das Weinanbaugebiet Boliviens und wahrscheinlich das höchst gelegene der Welt. Die Weine gibt es nur in Bolivien zu kaufen. Ein Sachverhalt, den ich für alle anderen und die Handelsbilanz des küstenlosen Staates sehr bedauere.
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Das architektonische Glanzlicht bildet ein mit silbernem und goldenem Felgenlack lackiertes Kolonialgebäude – die Casa Dorada.
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In einem der zahlreichen Geschäfte für Kommunikationselektronik kauften wir eine SIM-Karte und machten die ersten Erfahrungen mit landestypischen Eigenarten, die sich in den folgenden Tagen wiederholen werden: Das Spanisch ist innerhalb des Gesprochenen manchmal nur schwer zu identifizieren, der Blick meidet meist den Gesprächspartner, die Zuwendung gilt allen gleichzeitig, dafür aber ist die Aufmerksamkeit kurzlebig und die Handlungsbereitschaft benötigt kommunikative Unterstützung. Diesen Eigenschaften entspricht natürlich nicht jeder, wobei jedoch festzustellen ist, dass Männer ihnen eher zugeneigt sind. Ein Paradebeispiel war der SIM-Kartenverkäufer, dessen Handelsware 7 Tage später ihrer Bestimmung folgte.
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Wie auch in den Nachbarländern werden die Ereignisse in Europa genau beobachtet. Mit einer verdeckten Genugtuung nimmt man zur Kenntnis, dass es „auf dem Kontinent“ ungelöste Spannungen zwischen Bevölkerungsgruppen gibt und bezieht Stellung. Außerdem können wir uns auf eines immer verlassen: Wenn in Deutschland der Mob Aufmärsche gegen Randgruppen organisiert, dann wird das auch in Südamerika in den Aufmachern der Zeitungen und Fernsehnachrichten ausgiebig breit getreten.
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Argentinien – Salta – Tren a las Nubes

Der Tren a las Nubes fährt nicht mehr seit die bislang private Eisenbahngesellschaft von der argentinischen Regierung übernommen wurde.
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Der Bahnbedienstete war zuversichtlich, dass der traditionsreiche Zug im März 2015 mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit wieder seinen Betrieb aufnehmen würde.
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Diese Sicherheit steigerte er mit einer Geste in Richtung eines fast vollendeten Tischmodells in den Bereich der letzten Gewissheit – zu spät für uns!
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