Bolivien – Potosí – 4000 m

“Wir Lateinamerikaner sind arm, weil der Boden, auf dem wir gehen, reich ist.”
Eduardo Galeano
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Es muss das Jahr 1990 gewesen sein, als ich erstmals das Buch mit dem Titel „Die offenen Adern Lateinamerikas“ in den Händen hielt. Die Taschenbuchausgabe zeigte umschlagseitig die Zeichnung eines kegeligen Berges. Es handelte sich um den Cerro Rico – den „reichen Berg“ von Potosí, aus dem die Spanier seit 1545 Unmengen von Silber brechen ließen.
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Das Buch des Uruguayers Eduardo Galeano zählte seit seiner Erstveröffentlichung 1971 zu so etwas wie linksideologischer Propagandaliteratur – ein Genre, das heute gar nicht mehr existiert. Seinerzeit bot es eine günstige Gelegenheit, unbequeme Zusammenhänge beschreibende Texte zu diskreditieren. Ich erinnere gerne daran, dass die exakteste Beschreibung des Kapitalismus’ ever bis heute “Das Kapital” darstellt, was aber niemand mehr wissen wollte, weil es von diesem Karl Marx geschrieben wurde.
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Nun ist das Buch des Lateinamerikaners so etwas wie ein Klassiker, der Berg das Symbol für ungebremste Habgier und Gegenstand vieler Redensarten; er ist gleichzeitig der Ort, an dem die Kirche ihre Unschuld zu Grabe getragen hatte; ich überlasse anderen, zu beurteilen, ob sie zuvor eine besaß. Für den millionenfachen Tod in den Bergwerken und Gießereien hat sie 1992 erstmalig Mitverantwortung eingeräumt.
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Der Papst nannte es Fehler bei der Evangelisierung einheimischer Stämme in Lateinamerika. Wie auch immer, das Silber hat sie damals eingetauscht gegen vergoldete Altäre.
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Alles scheint vergessen und vergeben, die Einwohner von Potosí – einst die reichste Stadt der Welt – gehen ihrem Alltag nach. Dafür bleibt ihnen auch wenig Zeit, denn die Lebenserwartung ist kurz.
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Die aschegraue, Schwermetall-verseuchte Abraumhalde vor dem Tor der Stadt verseucht das Wasser, das bringt den Krebs und der den frühen Tod.
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Eine Maske mit einem zweideutigen Lächeln ist das Gesicht des modernen Boliviens. Meine persönlichen Lieblingskunstwerke sind die Jungfrauenbilder, die anonyme Künstler nach der Eroberung durch die Spanier geschaffen haben.
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Sie müssen Eingeborene gewesen sein, denn trotz der verlorenen Deutungshoheit haben sie ihre religiösen Symbole im Bild untergebracht: Sonne und Mond. Unter dem Gewand der Jungfrau ist der Cerro Rico dargestellt, auf ihm der erste Inka, der – nach der Legende – mit einem goldenen Stab auszog um eine Stadt zu gründen. Wir werden diese Stadt noch besuchen…
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