Bolivien – Cochabamba – 2600 m

In der Ankunftshalle des Flughafens empfing uns Señor Rafael. Eigentlich steht er mit Agnes in einer beruflichen Verbindung. Mein Eindruck war, dass sich Ihr Arbeitsverhältnis auch mit dem Wort freundschaftlich sehr treffend beschreiben lässt. Er führte uns auf den Parkplatz und ich ahnte bereits, dass er uns mit einem seiner Sammlungsstücke überraschen würde, von denen ich bereits gehört hatte.
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Ich sollte Recht behalten, denn vor einem weißen Volkswagen blieb er stehen und öffnete eine Heckklappe, die den Schriftzug „Variant“ trug. Es zeigte sich ein vorbildlich gepflegter Innenraum mit Originalausstattung. Ohne Zögern zündete der flache 1600er im Heck und die über Stößel bewegten Kipphebel brachten die Ventile zu ihrem Boxer-typischen Klingeln.
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„Und, was sagst Du?“, war einer seiner ersten vollständigen Sätze in Deutsch. Während ich den Zustand des in Brasilien unter dem Namen „Brasília“ gebauten Oldtimers lobte, zog das Stadtbild Cochabambas an uns vorbei. Die neuere Geschichte der Stadt war mir bereits aus dem gelungenen Budget-Streifen „Und dann der Regen“ bekannt.
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Der Krieg um das Wasser ist zunächst vorbei, doch zum ersten Mal bemerkte ich den unverstellten Gegensatz von bemühter Moderne und bitterer Armut. Viele ältere Menschen und Frauen mit Kindern in prekären Zustand betteln an Verkehrsampeln, auf Platzen und in Eingängen.
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Wir besichtigten die ehemalige Residenz eines Zinnbarons und sind beeindruckt von der Pracht und der Verschwendung, die die meist aus Europa stammende Ausstattung ausstrahlte. Das Haus dient heute als Kulturzentrum.
Den Abend verbrachten wir als Gast bei einem Unternehmer, der neben uns und Señor Rafael noch Freunde aus Politik und Kultur eingeladen hatte. Das Thema der übersichtlichen Runde war Bolivien, seine Bildungspolitik und … Evo Morales. Einige Sätze dieses Abends haben uns sehr beeindruckt und werden noch häufiger Gegenstand unserer „Bolivien-Analysen“ sein.
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Nicht nur wir, auch die Menschen auf der Straße sind politisiert. In „offenen Universitäten“ halten auf öffentlichen Plätzen selbsternannte Professoren Vorlesungen zu Imperialismus und Neoliberalismus. Keine schlechte Idee, über die Feinheiten kann man auch später noch im Detail reden!
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Am nächsten Tag querten wir die Altstadt und stürzten uns in das farbenfrohe Getümmel des unübersichtlichen Regionalmarktes La Cancha.
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Wer hierher kam, ist zuvor einem der liebevoll am Blubbern gehaltenen Dodge D-4000 entstiegen und hat den Komfort und die Eleganz des öffentlichen Nahverkehrs Boliviens am eigenen Leib buchstäblich erfahren.
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Dieser Markt ist ein Spektakel aus Farben, Generationen, Geräuschen und Gerüchen; Bolivien, auf einem sehr verdichteten Raum…
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