Literatur für Reisende und Träumer

Zum Lesen blieb auf unserer Reise bisher wenig Zeit. Unsere Freizeit in der Unterkunft verbringen wir mit Orga für die Weiterreise und in Bussen fällt mir das Lesen schwer, weil mir dabei übel wird.

Trotzdem habe ich inzwischen zweieinhalb Bücher geschafft, deren Lektüre mir Land und Leute näher gebracht hat.

Zunächst einmal wäre da die “Gebrauchsanweisung für Argentinien” von Christian Thiele zu nennen. Thiele hat mir die Gefühlslage der Argentinier näher gebracht, auch wenn noch viele offene Fragen bleiben. So überrascht es mich immer noch, wie gut informiert und gebildet jeder Taxifahrer in Buenos Aires daherkommt und warum dieses Land, das soviel Potential hat, trotzdem von seinen Politikern von einer wirtschaftlichen Misere in die nächste manövriert wird.

Thiele versucht sich an der Definition des Peronismus und erzählt von argentinischen Volksheiligen wie Evita Peron und dem Gauchito Gil, zu dessen Ehren am Straßenrand noch heute von LKW-Fahrern kleine rote Altäre geschmückt werden.

Evita

Ich habe dieses Buch auf meinem kleinen, neuen Ebook-Reader gelesen. Eine praktische Anschaffung für die Reise, allerdings haben wir festgestellt, dass er für Bücher, die zum Nachschlagen genutzt werden, wie z.B. unsere Reisefüher, nur bedingt geeignet ist. Es ist nämlich je nach Ebook-Format sehr umständlich, zwischen den Kapiteln zu wechseln.

Mitten in Patagonien habe ich mir das Buch “Patagonia Express” von Luis Sepúlveda gekauft. Der Chilene beschreibt darin, wie er seinem Großvater als Junge das Versprechen gab, diese Reise ins Nirgendwo zu unternehmen. Er erzählt von seiner Gefangenschaft während der chilenischen Militärdiktatur und der darauffolgenden Irrfahrt durch Südamerika und Europa, bis hin zu seiner Rückkehr in die Heimat. Die kleinen Geschichten über Begegnungen mit Eigenbrötlern und Abenteuerern lassen einem beim Lesen die besondere Mentalität der Menschen vom Ende der Welt spüren. Besonders gut gefallen hat mir, dass Sepúlveda in Europa auf Bruce Chatwin trifft – und hier komme ich zum Klassiker unter den Patagonien-Autoren.

Parallel zum Patagonia Express habe ich nämlich, immer wenn Robert das Buch nicht in der Hand hatte, Bruce Chatwins “In Patagonien” gelesen. Dieses Buch ist eine Pflichtlektüre für alle Reisenden ans Ende der Welt. Bereits in den 1970er Jahren hat Chatwin Patagonien bereist. In einer Zeit, als es dort noch keine regelmäßigen Verkehrsverbindungen und touristische Einrichtungen gab, war er auf Mitfahrgelegenheiten mit LKWs angewiesen und hat, wenn es dem Estancia-Besitzer recht war, bei den Gauchos im Stall geschlafen. Chatwin beschreibt Orte und Menschen so charakteristisch, dass sich staubiges Niemandsland wie die Ölstadt Comodoro Rivadavia zu Sehnsuchtsorten von Touristen verwandelt haben und heute Scharen auf Chatwins Spuren pilgern. Ich selbst stecke immer noch in der Mitte der Lektüre fest, aber Robert hat das Buch schon gelesen und bitter bereut, dass wir auf unserer Patagonienreise den Besuch der Höhle des Mylodons – des Riesenfaultiers, das vermutlich vor etwa 12.000 Jahren ausstarb –  ausgelassen haben. Falls Ihr also einmal nach Puerto Natales in Südchile kommt, solltet Ihr den Fundort des Faultiers, die Cueva del Milodón, unbedingt in die Reiseroute aufnehmen.

Milodon

Blauer Mann und das Milodón, Puerto Natales

 

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