Argentinien – Patagonien – kleiner Tank, weites Land

Wir verließen den Nationalpark Torre del Paine um die Gletscherregion am Lago Argentino zu besuchen. Der See ist einer der grössten Binnengewässer Südamerikas und liegt – wie der Name erwarten lässt – in Argentinien. Hierzu ist ein Grenzübertritt notwendig, allerdings erwarteten wir keine Komplikationen, da im Vergleich zu Chile die argentinischen Behörden weniger strenge Regeln zum Mitführen von Lebensmitteln geschaffen haben. Man mag diese Regeln für unzeitgemäß halten, doch tatsächlich spielen sie in Chile eine wichtige Rolle. In dem zwischen Pazifik und Anden isolierten Biotop existieren heute noch Kulturpflanzen, die in ihren Herkunftsregionen wie z.B. Europa bereits durch Viren, Bakterien oder anderen Schädlinge vernichtet wurden und ausgestorben sind.
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Chilenisch-Argentinischer Grenzübergang

In Argentinien fiel nun lediglich auf, dass uns der chilenische Grenzer versehentlich nochmals einen Einreisestempel statt jenen für die Ausreise in den Pass gedrückt hatte. Eine günstige Gelegenheit die Aufmerksamkeit des argentinischen Beamten zu loben und Seitenhiebe auf die chilenischen auszuteilen. Schnell verbesserten sich die Straßenbedingungen, allein das weitmaschige Tankstellennetz machte uns Sorgen, denn die Klötzchen der Tankanzeige stapelten sich im unteren Drittel.
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Mitten im Nirgendwo näherte sich eine Tankstelle. Agnes schlug vor, zu tanken. Neben dem Tankstellenhäuschen schwebte ein großer Vogel über einem an einer Leine hängenden, ausgeweideten Kadaver. In meinem inneren Kino lief der Vorspann von „Psycho IV“ als ich mich plötzlich sagen hörte: „Fahr weiter, wir haben genug Sprit!“. Zäh und langsam näherten wir uns dem Ort La Esperanza, der laut Angaben meiner OSM-Karte über eine Tankstelle verfügte; darüber hinaus über ein “Hotel”, eine Straßenkreuzung und viel, viel Staub. Der Tankwart wischte mit einem öligen Lappen über die Diesel-Zapfsäule. Er schaute nur kurz zu uns auf als ich ihm ein fragendes „Gasolina?“ zurief und antwortete bestimmt: „No hay!“ – „Gibts nicht!“.
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Rund 50 Kilometer vor dem eigentlichen Ziel standen wir am Straßenrand, Agnes schwenkte den leeren Benzinkanister wenn sich ein Fahrzeug näherte. Nach wenigen Versuchen stiegen 4 verwegen aussehende Kerle aus 2 heruntergerittenen Karren der 80er Jahre. Weitere 10 Minuten später erkannte ich in ihnen die Engel aus Mendoza, die immer einen Gummischlauch mitführen und wissen, wie man damit Benzin aus einem Autotank abfüllt – für ein herzliches Vergelts Gott. Bevor sich die Sonne in den Lago Argentino versenkte erreichten wir die Stadt, die ihren Namen einer Cranberry-ähnlichen Beere verdankte – El Calafate.
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Calafate
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Lagune am Lago Argentino

Ein Gedanke zu “Argentinien – Patagonien – kleiner Tank, weites Land

  • 24. Januar 2015 um 3:40
    Permalink

    Agnes y Roberto, leímos el blog… Somos “los ángeles de Mendoza´´ Gracias por tu mención en tu diario de viaje! Nos alegra que hayan podido llegar y conocer Calafate, y que su itinerario de viaje continúe con éxito. Saludos y bendiciones.

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