Uruguay – ein Nachtrag Montevideo

Längst sind wir in anderen entlegenen Gegenden des Kontinents unterwegs, trotzdem möchte ich an dieser Stelle noch einmal an unseren Ausflug nach Montevideo zurückdenken. Auch dort war weihnachtlich geschmückt.

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Im Hintergrund sieht man den Palacio Salvo, ein Gebäude, das in den 1920er Jahren von den Salvo-Brüdern, die in der Wollindustrie reich geworden waren, in Auftrag gegeben wurde. Schon im Vorfeld der Reise hatte ich davon gelesen und mich für dieses eigenartige Bauwerk interessiert. Allerdings war mir nicht bewusst, dass es an prominenter Stelle in der Stadt, an der Plaza de Independencia, dem Unabhängigkeitsplatz, steht.

Zufällig sassen wir im Strassencafe genau an der Stelle, von der ich das Foto aufgenommen habe. Der Palacio Salvo galt in den 1920er Jahren für einige Zeit als höchstes Gebäude Südamerikas. Heute dient er vor allem als Wohnraum. In den oberen Geschossen konnte man Menschen erkennen, die sich an den offenen Fenstern Abkühlung von der Sommerhitze verschaffen wollten. Im Erdgeschoss sind aber auch Geschäfte untergebracht.

Neugierig haben wir den Eingangsbereich betreten. Dort gab es eine kleine Fotoausstellung und historische Daten über das Bauwerk. Ein Concierge wachte darüber, dass kein Unbefugter einen der Aufzüge betrat. Wir liesen uns davon nicht beeindrucken und in einem unbeobachteten Moment stiegen wir, zusammen mit einem Mieter, in den Fahrstuhl. Wir hörten hinter uns den lauten Protest des Pförtners, aber da standen wir schon in der engen, alten Kabine, auf dem Weg nach oben…

Selbstverständlich hatten wir den 23. Stock angewählt, das war die letzte per Fahrstuhl erreichbare Etage. Die Fahrt war etwas gruselig. Dauernd fragte ich mich, ob das Gefährt wohl bis oben durchhalten würde. Geschafft! Wir waren oben angekommen. Hier schauten wir in den schmalen, sich windenden  Flur. Offensichtlich waren wir oben im Türmchen angelangt. Leider konnte ich nur kurz um die Ecke schauen. Die Vorstellung, dass der Fahrstuhl die 23 Stockwerke nach unten fahren würde während wir hier oben ohne Fluchtweg gefangen sein würden, verursachte leichte Panik. Deshalb überredete ich Robert, sofort wieder nach unten zu fahren. Schade! Aber der Portier begrüßte uns unten begeistert . So würde niemand von seiner Unaufmerksamkeit erfahren. Er war wohl froh, dass wir das Gebäude schnell wieder verliesen.

Noch heute frage ich mich, was uns da oben erwartet hätte und bereue ein wenig, dass ich die Gelegenheit nicht genutzt habe.