kleiner Drachen im Wind

Meine Idee, eine Kamera mit einem Drachen in luftige Höhen zu ziehen und dann Filme bzw Fotos zu machen, habe ich schon zur ein oder anderen Gelegenheit leichtfertig kundgetan. Ich musste schnell lernen, dass diese Idee vor mir schon andere hatten – viele andere. Letztlich stellte ich fest, dass sie fast so alt war wie die Fotografie selbst. Eine bekannte Aufnahme ist die Skyline von San Francisco nach dem Erdbeben von 1906. Hier kann man sie sehen. Das störte mich aber nicht, denn mein Ehrgeiz war stets, es selbst auszuprobieren.

Allerdings gab es ein Problem: Wenn immer ich aus den wiegenden Wipfeln der herbstlichen Bäume schloss, dass es Drachenwind gab, war schon wieder Flaute. Kein Halm regte sich sobald ich den kleinen Sack mit meiner Ausrüstung auf die Parkwiese geschafft hatte. Eine weitere Variante sah vor, dass der Wind immer an der Stelle abflaute, an der ich gerade stand. Nach rund 2 Wochen wurde meine Geduld dann doch belohnt. Agnes begleitete mein Tun mit ermunternden Handlungsempfehlungen, wie z.B.: “Du musst dabei rennen!” In meinem inneren Kino sah ich eine Szene, in der ein Mädchen mit schwingenden Zöpfen auf einer Sommerwiese einen Gesichtsdrachen hinter sich her zog und der dabei umherwirbelte wie ein junger Hund an seinem ersten leinengeführten Tag.

Aus meiner Sicht machte das ganze aber nur dann Sinn, wenn es ohne Rennen ginge. Denn schliesslich wollte ich im zweiten Schritt ja noch eine Kamera einstellen und dran hängen. Doch zunächst ging es nur darum, ein Gefühl für den kleinen KAP Foil – so heisst mein Drachen in Fachkreisen – zu bekommen. Ich hielt ihn in am ausgestreckten Arm in den anschwellenden Hauchwind, der ihn sogleich mit einem explosionsartigen Rascheln aufblähte und in die Höhe zog. Mit ein paar ungelenken Bewegungen lies ich Leine von der 100m Spule in meiner linken Hand, was der Drachen mit ruckartigem Zerren dankte. Aus dem Abgewickelten der Spule schloss ich, dass er rund 40 Höhenmeter erreicht haben musste. Immer wieder klammerte ich meine Hand um die Spule, damit er sie mir nicht entriss. Ich verstand nun, warum er zur Drachengattung der Lifter gehörte, obwohl er noch gar nichts hob – mal abgesehen von meinem Adrenalinpegel…

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Firewall zwischen den Welten

In meiner Ungeduld habe ich noch ein Foto aus meiner Sammlung herausgekramt. Wiederum habe ich festgestellt, dass die Anden etwas Großartiges sind. Im wahrsten Sinne des Wortes. Sie teilen die südliche Halbkugel in einen pazifischen und einen atlantischen Teil. Zwei Halbwelten sozusagen. Ihre Länge und vor allem ihre Höhe sorgen dafür, dass den schmalen Küstenstreifen zwische Pazifik und Kordilleren (Bildmitte) viel Ungemach erst gar nicht erreicht. So konnte in Chile im Schatten der Anden eine alte europäische Weinrebe überleben, die in Europa während der Reblauskatstrophe Mitte des 19. Jhdts bereits ausgestorben war: Carmenere.

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nur noch Tage …