Argentinien – don’t cry for me, Argentina

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Ich traf Evita Peron als wir über den Cementerio de Recoleta schlenderten, dem Friedhof auf dem sie 1952 beigesetzt wurde. Dass sie als streunende Katze wiedergekehrt ist, war bislang kein Schaden für die Beliebtheit, die sie offenbar noch heute in der argentinischen Bevölkerung genießt. Ihr Konterfei ist allgegenwärtig.

Ihr Grabmal war nicht einfach zu finden. Aber wenn man erstmalig davor steht, wird alles klar: Trauben von meist asiatischen Touristen drängen sich in der engen Gasse vor dem schwarzen Marmormausoleum der Familie Duarte. In der schweren Tür aus stehenden Bronzestäben haben Verehrer – oder waren es Verehrerinnen? – rote Rosen verankert.

Mit Sätzen, deren Betonung neben Würde auch letzte Gewissheit vermitteln sollte, gaben die Touristenführer mutmaßliche Details zu den Trauergewohnheiten der Familie preis. Niemand ahnte, dass Evita dabei zusah wenn sie nicht gerade ausgiebig eine ihrer vorderen Pfoten schleckte.

 

alles auf “go!”

Die Stunde des Abflugs rückt näher. Die Lufthansa hat uns über das Radio eine Nachricht übermittelt, damit wir den Flug nicht vergessen. Die Piloten unserer Fluglinie ließen verlautbaren, dass alle Kurz- und Mittelstreckenflüge rund um unseren Start bestreikt werden; ich glaube sie wollen, dass sich das Bodenpersonal voll auf uns konzentrieren kann. Wenn wir dann abgehoben sein werden, beabsichtigen sie auch, die Langstrecke zum Erliegen zu bringen; ich nehme an,  um die Flugleitzentralen ausserhalb Europas zu entlasten. Also alle Zeichen stehen eigentlich auf “go!”.

Die Wartezeit, die wir durch unsere gelungenen Vorbereitungsaktivitäten gewonnen haben, nutzte ich zudem, um schnell noch ein facebook-Konto einzurichten. facebook ist ja so wichtig: wenn Du kein facebook hast existierst Du quasi nicht. Ein bisschen schon noch, denn bei Grenzübertritten muss man noch seinen Pass vorzeigen. Das ist aber eine der seltenen Gelegenheiten, in denen das Büchlein im Hosentaschenformat eine Authorisierung oder Zertifizierung vornehmen kann. Bei allen anderen Aktivitäten des Ein- oder Austritts brauchst Du facebook. Zimmer buchen: facebook; Freunde finden: facebook; Veranstaltungen finden: facebook; etc: facebook. Schaut ruhig mal rein, ist ganz interessant!

Apropos Bodenpersonal: Hier ist mir eine Aufnahme gelungen, in der ich vor unserer Schrebergartenanlage stehe. Die Betonung liegt auf Anlage, also sogar mit Stadt im Hintergrund. Man kann sogar erahnen, dass die Erde rund ist, aber das nur am Rande…

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kleiner Drachen im Wind

Meine Idee, eine Kamera mit einem Drachen in luftige Höhen zu ziehen und dann Filme bzw Fotos zu machen, habe ich schon zur ein oder anderen Gelegenheit leichtfertig kundgetan. Ich musste schnell lernen, dass diese Idee vor mir schon andere hatten – viele andere. Letztlich stellte ich fest, dass sie fast so alt war wie die Fotografie selbst. Eine bekannte Aufnahme ist die Skyline von San Francisco nach dem Erdbeben von 1906. Hier kann man sie sehen. Das störte mich aber nicht, denn mein Ehrgeiz war stets, es selbst auszuprobieren.

Allerdings gab es ein Problem: Wenn immer ich aus den wiegenden Wipfeln der herbstlichen Bäume schloss, dass es Drachenwind gab, war schon wieder Flaute. Kein Halm regte sich sobald ich den kleinen Sack mit meiner Ausrüstung auf die Parkwiese geschafft hatte. Eine weitere Variante sah vor, dass der Wind immer an der Stelle abflaute, an der ich gerade stand. Nach rund 2 Wochen wurde meine Geduld dann doch belohnt. Agnes begleitete mein Tun mit ermunternden Handlungsempfehlungen, wie z.B.: “Du musst dabei rennen!” In meinem inneren Kino sah ich eine Szene, in der ein Mädchen mit schwingenden Zöpfen auf einer Sommerwiese einen Gesichtsdrachen hinter sich her zog und der dabei umherwirbelte wie ein junger Hund an seinem ersten leinengeführten Tag.

Aus meiner Sicht machte das ganze aber nur dann Sinn, wenn es ohne Rennen ginge. Denn schliesslich wollte ich im zweiten Schritt ja noch eine Kamera einstellen und dran hängen. Doch zunächst ging es nur darum, ein Gefühl für den kleinen KAP Foil – so heisst mein Drachen in Fachkreisen – zu bekommen. Ich hielt ihn in am ausgestreckten Arm in den anschwellenden Hauchwind, der ihn sogleich mit einem explosionsartigen Rascheln aufblähte und in die Höhe zog. Mit ein paar ungelenken Bewegungen lies ich Leine von der 100m Spule in meiner linken Hand, was der Drachen mit ruckartigem Zerren dankte. Aus dem Abgewickelten der Spule schloss ich, dass er rund 40 Höhenmeter erreicht haben musste. Immer wieder klammerte ich meine Hand um die Spule, damit er sie mir nicht entriss. Ich verstand nun, warum er zur Drachengattung der Lifter gehörte, obwohl er noch gar nichts hob – mal abgesehen von meinem Adrenalinpegel…

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