Peru – von Puno nach Cusco per Inka-Express – 4300 m

Anders als der Begriff „Inka-Express“ nun glauben macht handelt es sich dabei keineswegs um eine Eisenbahnstrecke sondern eine Busverbindung. Die Route verlief zwar häufig in Sichtweite des traumhaft verlegten Schienenstrangs und benötigte fast eben so viel Zeit wie der darauf fahrende Zug. Allerdings bietet die Asphaltbahn zwischen der Stadt Puno am Titicaca-See und Cusco einige unschlagbare Vorteile: Der speziell an die mutmaßlichen Erwartungen von Touristen angepasste Bus hält an diversen Schauplätzen, die zwischen dem erwähnten „Geburtsort“ des Inka und der sagenhaften Inka-Hauptstadt liegen. Es ist nicht so, als dass die Reise des Manco Capac mit seinem goldenen Stab nacherzählt werden würde, aber die Stopps geben doch einen interessanten Einblick in die Gegebenheiten des Inka-Reiches.
inkaex05
Lange nachdem wir die durch einen starken Regen verschlammte Regionalmetropole Juliaca hinter uns gelassen haben und ländlich geprägte Architektur längst als einfache Lehmhütten bezeichnet werden mussten, erreichten wir die teilweise geschliffene Festung Pucará. Hier zeichnete sich bereits die unrühmliche wie auch konsequente Vorgehensweise der spanischen Konquistadoren bei der Würdigung des architektonischen Erbes der Ureinwohner ab: Sobald ein Gebäude nur den Hauch einer kulturellen oder religiösen Bedeutung hatte – wie z. B. der Pucará-Tempel – wurde es dem Erdboden gleichgemacht und aus seinen Trümmern eine Kirche errichtet. Die zwei Lamas aus Ton, die die Einwohner traditionell als Glücksbringer auf ihre Dächer setzten, wurden zudem durch tönerne Stiere ersetzt.
inkaex01
Der Inka-Express schickte sich an, den La Raya Pass zu überqueren, ein Umstand, der uns nochmals auf eine Höhe von 4300 m bringen würde. Der Pass bildet zugleich eine Wasserscheide, die einerseits dem Titicaca-See und anderseits Cusco und dem heiligen Tal die Fliessrichtung des versorgenden Wassers zuwies. Die Landschaft ist durch Ackerbau geprägt, dessen Terrassen-Struktur die Handschrift der Inka-Bauern verriet. Die Lehmhäuser wurden immer kleiner, nicht wegen eines vermeintlichen Mangels an Baumaterials, vielmehr wegen der Schwierigkeit, diese Gebäude in einem Winter von rund minus 20 Grad ausreichend zu beheizen. Es gibt kein natürliches Holz auf dieser Höhe, so dass Lama-Dung meist als Brennstoff dient.
inkaex02
Bald erreichten wir Raqchi mit dem Tempel von Wiracocha. Diesen Ort haben wenige Peru-Reisende auf dem Zettel, weil er etwas abseits der großen Publikumsmagnete liegt. Es gab eine Vielzahl von Gründen sehr beeindruckt zu sein. Wenn man den Ausführungen glauben schenken mag, wurde die weitläufige Anlage als eine Art Wellness-Oase für die Inka-Elite genutzt. Sie liegt – wie viele Inka-Städte – in oder an einem Tal-Kessel, der von schwer zu überwindenden Bergen gesäumt war.
inkaex03
inkaex04
Unser nächstes Ziel war die kleine Bergstadt Andahuaylillas. Hier ist es den Bewohnern gelungen, eine Inka-Hängebrücke zu erhalten, der sie eine Römer- wie auch später eine Stahlbrücke zur Seite stellten; ein Brücken-Museum das bestimmt seinesgleichen sucht.
inkaex07
In dem frühkolonialen Kirchlein San Pedro Apostol de Andahuaylillas sollte nun erstmalig ein kleines Konzert für uns aufgeführt werden, ein Test für die Fahrgäste des Inka-Express‘ wie es hieß. Wir betraten das Kirchenschiff und waren erst einmal erstaunt über die reichhaltige und barocke Original-Ausstattung, die das Fotografieren leider nicht gestattete. Vor dem Altar war ein aus Streichern und Bläsern bestehendes Kinder-Orchester aufgereiht, dessen Mitglieder nervös die kurzen Standbeine hin und her wechselten. Wir setzen uns in die ersten Reihen der altehrwürdigen Bänke während uns die hoffnungsvollen Talente in blumigen Worten angekündigt wurden. Eine kurze Stille und spannende Sekunden später überrannte uns eine Kakophonie aus Geigen und Flöten, wobei sich nur langsam die Grundstruktur einer sehr bekannten peruanischen Volksweise ankündigte: El Condor Pasa! Ich hielt Agnes fest an der Hand und starrte nach vorne um sie nicht ansehen zu müssen, denn uns war klar, dass sich dies in einen wenig höflich erscheinenden Lachanfall gesteigert hätte. Was wir bis dahin noch nicht wussten: Hier in diesem Kirchlein wurde das weltbekannte Stück von seinem Komponisten Daniel Alomía Robles uraufgeführt, er hatte es hier in seiner Heimatstadt Andahuaylillas geschrieben.
inkaex06
Zwei Stunden später erreichten wir das monumentale südliche Stadttor der ehemaligen Inka-Stadt Cusco.
inkaex08

Bolivien – Salar de Uyuni – 3650 m

Es gab noch einen weiteren triftigen Grund, den Ort Uyuni aufzusuchen: Er dient als Ausgangspunkt für einen Besuch des Salar de Uyuni, das Garstigste, was sich die Landschaftsarchitekten bei der Schaffung unseres Planeten ausgedacht haben: Endlos, flach, monochrom und eigentlich unbewohnbar. Diese sogenannten Salzpfannen, entstehen durch Auswaschen des Salzes aus den umliegenden Bergen und durch anschließendes Austrocknen.
Salar_05
Es ist unglaublich, aber auch Menschen haben sich am und auf dem See angesiedelt. Sie lebten von der Verarbeitung des Salzes und nun vom Tourismus. Traditionell wohnen sie in Häusern, die sie – wie auch die Möbel – aus Salz gebaut haben. Sie sägen ziegelgroße Blöcke aus dem Salz und setzen diese zu einem Haus zusammen.
salar_01
Manchmal haben die Salare unterirdische Wasserreservoirs. In unserem Fall ist der Salar in der Regenzeit – und das ist jetzt – mit einer wenige Zentimeter hohen Wasserschicht teilweise bedeckt. Der Salar ist wegen des vielen Salzes eigentlich absolut lebensfeindlich. Allein eine bestimmte, kleine Krebsart kann dort überleben und über die freuen sich die Flamingos. Trotz sonst fehlender Fauna und Flora hat der Salar eine Ästethik, die ihn anziehend macht.
Salar_04
Salar_06
Außerdem bietet er die Möglichkeit für perspektivische Fotografien oder Filme, weil er wegen seiner Eintönigkeit die Eigenschaften eines sehr, sehr großen Fotostudios bietet.
Salar_07
Davon haben schon die meisten seiner Besucher gehört, daher bringen sie Spielzeugfiguren oder Modelle von Objekten mit, um dann diese trickigen fotografias de perspectiva zu machen. Sehr beliebt ist der Gummi-Tyrannus-Saurus. Wer jetzt wieder an das Gesichtsbuch denkt, liegt völlig richtig.
Salar_10
Ein weiterer Reiz besteht darin, dass das sehr salzhaltige und flache Wasser wegen seiner physikalischen Eigenschaften spiegelglatt ist. Dadurch lassen sich diese eigenartig gespiegelten Horizontaufnahmen machen…
Salar_03
… und nach Überwinden einer gewissen Schamgrenze diese Hüpfbilder… .
Salar_30
Über die Salzdecke ist vor kurzer Zeit ein großes Motorsport-Event gebrettert. “La Dakka!”, wie man die Rallye Dakar hier ehrfurchtsvoll nennt, läuft uns schon seit Salta um nur wenige Tage voraus. Selbst in höheren Bildungsschichten ist man sehr stolz darauf, Gastgeber des Spektakels sein zu dürfen. Nur eine Saison haben die lokalen Organisatoren benötigt, um das Chaos des rasch vorüberziehenden Motor-Zirkuses zu beherrschen, berichtete unser indigener Fahrer mit dem arabischen Namen Omar.
Salar_20
Am fußläufigen Rande des Sees haben wir ein Zimmer in einem Salzhotel bezogen, um auch die Stimmung am Abend, in der Nacht und am nächsten Morgen aufnehmen zu können. In und an diesem diesem Hotel, das sich derzeit noch im Bau befindet, bestand alles aus Salz – bis auf Fenster und Türen (und natürlich bis auf die Bettwäsche, die Handtücher, den Fernseher etc.). Die, bedingt durch das Baumaterial, nicht gänzlich besenreinen Zimmer lassen einen wunderbaren Blick auf den Salar zu. Das Ambiente bietet eine hervorragende Gelegenheit, den Kellner beim Abendessen oder beim Frühstück nach dem Salzstreuer zu fragen ;-)
Salar_08

Bolivien – Nationalpark Amboró – Tag 2

Zahlreiche nächtliche Aktivitäten ausserhab unseres Schlafraumes hatten uns beunruhigt. Doch zum einen war uns klar, dass Urwaldbewohner meist nachtaktiv sind, zum anderen ergab ein vorsichtiges Öffnen der Tür, dass Chicito auf unserer Fussmatte lag. Ausserdem hatten sich nach Aussagen des Führers die Pumas bislang mit der Dezimierung der Schafherde auf dem Gelände begnügt.
ambro_40
In der ersten Morgendämmerung erwachten wir und begaben uns auf die Veranda um die Vögel zu beobachten. Kleine und große Schwärme sammelten sich und vereinbarten die Losungen des Tages. Papageien wechselten in großer Zahl und mit lautem Geschrei von einem Felsenrand zum anderen; leider immer zu schnell für die Lichtverhältnsse oder einfach zu weit entfernt für ein gutes Foto. Ich erinnerte mich an einen grünen Papagei in meiner Kindheit, den meine Eltern aus einem Franco-Spanien-Urlaub mitgebracht hatten. Sein Mitteilungsbedürfnis hat uns oft den letzten Nerv gekostet.
Erwartungsfroh machen wir uns auf den Weg um einen weiteren Themenpfad abzuarbeiten…

Die Tageszusammenfassung mit Dschungelprüfungen: Tag 2

amboro_21
Hier hängen nicht die Riesenfaultierhoden vom Baum sondern kunstvoll geflochtene Nester.

amboro_23
XYZ-Promis müssen nicht nackig im Naturbad plantschen.

amboro_25
Abseits der Pfade war kein Durchkommen.

amboro_24

amboro_26
Viel Raum für weitere Siedlungsgemeinschaften

amboro_22
Bitte laut krächzen wenn sich jemand nähert!

amboro_29
Eigentlich ein tolles Boket, oder ;-)

amboro_27
Der endemische Sapor ist vollkommen ungefährlich, wenn er sich nicht bedroht fühlt. Denn dann platziert er giftige Spucke vorzugsweise im Gesicht. Als Dekoration bei Dschungelprüfungen ungeeignet!

amboro_28
Chikito hat ein Gürteltier aufgestöbert, dass sich flugs in seinen Bau zurückgezogen hat. Engagiertes Graben hat zu keinem Erfolg geführt; im Ergebnis keinen Stern und keine Essensration.

ambro_41
amboro_31
Sonnenanbeter wundern sich über die neuen Camp-Bewohner.

amboro_35
amboro_42
amboro_38
Chicito hat ein Nest im Waldboden ausfindig gemacht und seine neugierige Schnautze hineingesteckt. Wir schimpfen mit ihm, was aber einen fragwürdigen Nutzen hat. Das Nest wird überprüft und das Wohlbefinden der Piepmätze sichergestellt. Meine einschlägigen Kleingärtnererfahrungen mit Vogelnestern nähren unsere Hoffnung, dass sich die Aufregung bald legt und Alles wieder gut wird.

amboro_37
Den will selbst Chicito nicht schlucken, der sonst wirklich alles hinunterwürgt.

amboro_34
amboro_39
Meine schwache Ausbeute hat den Respekt vor Schmetterlingsjägern und Naturfotografen um etliche Einheiten erhöht.

Bolivien – Nationalpark Amboró – Tag 1

Amboro_07

Die Ereignislosigkeit in der Dschungelshow eines deutschen Premiumprogrammanbieters hat in uns das Bedürfnis geweckt, selbst wieder einmal ein Camp inmitten eines brodelnden Urwalds zu besuchen. Ein einfach zu lösendes Problem, denn wenn auch hartnäckig vom „Andenstaat Bolivien“ die Rede ist besteht das Binnenland aus 3 Klima- bzw Vegetationszonen: Tropischer Regenwald, Buschsavannen und eben verschiedene Anden-Stufen. Damit wird es – gemessen an der Zahl unterschiedlicher Regionen im Verhältnis zur Fläche – das vielfältigste Land Südamerikas.

Amboro_02

Wir wählten die Pufferzone des Amboró Nationalparks, weil es dort ein privates Refugio (Dschungelcamp) in einer traumhaften Lage gab.

Amboro_01

Das Refugio de los Vulcanes ist von Santa Cruz aus in nicht ganz 2 Stunden mit mehrere Fahrzeugtypen erreichbar, wobei der letzte zwingend einen Vierradantrieb haben muss.

Amboro_03

Trotz der rund 20 Schlafmöglichkeiten in den 10 Räumlichkeiten blieben wir in der Nacht mit unserem jugendlichen Führer und dessen Freundin allein in der Wildnis. Köchin, Hausmeister und deren Kinder fahren am Abend in ihren Wohnort außerhalb des natürlichen Tal-Kessels.

Amboro_19

Von dem jungen Machetenschwinger und Lagerhund Chicito wurden wir tagsüber durch den Wald und die Berge geführt. Dabei folgten sie Themenpfaden, die vorsichtig in das von steilen Bergen umgebene Paradies getreten und geschnitten wurden.

Amboro_05

Die Themen orientierten sich am wahrscheinlichen Antreffen bestimmter Waldbewohner, wobei wir während dreier Wanderungen niemals die Spezies antrafen, die wir erwartet hatten. Immer dabei waren auch Mosquito und Co. die wir uns mit einer Sprühflasche DEET halbwegs vom Leibe hielten, die von unserer Amazonas-Tour noch übrig war.

Die Tageszusammenfassung und die Dschungelprüfungen nun im Einzelnen: Tag 1

Wer Dr. Bob zugehört hat, weiß, dass Baumschlangen fast immer giftig sind. In diesem Fall ist es eine endemische Vibora. Da Dr Bob in Australien weilt, gilt es, den furchtlosen Lagerhund Chicito festzuhalten und nichts Unüberlegtes zu tun!

Amboro_13

Es sieht nur so aus, als hätten die sich gern. Einer muss das Lager verlassen, kann aber noch dauern…

Amboro_10

Raschelnde und knackende Zweige über uns signalisierten, dass wir in rund 30 m über uns eine Gruppe von Followern hatten. Nach kurzer Zeit kippte die Stimmung und sie warfen Hölzchen nach uns. Wir ertrugen dies, Sterne gab es keine.

Amboro_14

Amboro_15

Die Humusdecke ist dünn, da kann man nicht tief wurzeln. Für ordentliches Stehvermögen braucht es Brettwurzeln.

Amboro_17

Nicht alles was wie Spargel aussieht, kann die kargen Essensrationen aufwerten. Lieber nicht ohne den Segen von Dr. Bob essen.

Amboro_09

Pilzsucher werden hier auch ausserhalb der Saison immer fündig.

Amboro_08

Auch um das Camp herum gibt es zahlreiche Trittbrettfahrer, die schnell ins Rampenlicht kommen wollen. Hier heißen sie Bromelien oder Aufsitzerpflanzen. Übrigens: Die Ananas ist auch so eine.

Amboro_16

Wenigstens einer, der sich während der zahlreichen Regenschauer mal nützlich macht.

Amboro_18

Argentinien – Salta – Tren a las Nubes

Der Tren a las Nubes fährt nicht mehr seit die bislang private Eisenbahngesellschaft von der argentinischen Regierung übernommen wurde.
Tren_02
Der Bahnbedienstete war zuversichtlich, dass der traditionsreiche Zug im März 2015 mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit wieder seinen Betrieb aufnehmen würde.
Tren_03
Diese Sicherheit steigerte er mit einer Geste in Richtung eines fast vollendeten Tischmodells in den Bereich der letzten Gewissheit – zu spät für uns!
Tren_01

Chile – Nationalpark Torre del Paine

Die rund 150 Kilometer in den Nationalpark drifteten wir über eine staubige Schotterpiste. Steine mittlerer Größe schlugen beim Überfahren mit lautem Knall gegen das Bodenblech. Tiefe Schlaglöcher waren meist im letzten Moment zu erkennen. Ein Umstand, der häufig zu einem heftigen Bremsmanöver mit einknickenden Köpfen führte.
paine_01a
Vor unserem Herannahen rettete sich der ein oder anderen Guanako – die wilde Form des Lamas – samt Nachwuchs durch einen Sprung auf oder unter die Böschung. Kleine und große Vögel testeten unser Nervenkostüm durch Kollisionskurs mit kurzfristigem Ausweichmanöver. Der Campingplatz war nahezu unbewohnt, so dass wir uns das Windschutzhäuschen mit der besten Aussicht auf das namengebende Bergmassiv aussuchen konnten, dem Turm von Paine.
paine_03
Ich möchte nicht allzu viel über den klimatischen Rahmen dieser Tage berichten, nur so viel: Es war sehr kalt, regnerisch und stürmisch. Die einzige Wärmequelle waren wir selbst und wir waren mehr oder weniger allein. Aber wir gewöhnten uns daran. Später werden wir uns gerne an diese Zeit zurück erinnern und dies sogar mit einer gewissen Sehnsucht verbinden.
paine_02
Kurze Ausflüge und längere Wanderungen füllten die langen Tage mit spannenden Begegnungen, spektakulären Aussichten, durchfeuchteter Kleidung, steifen Fingern und erschöpften Gliedmaßen. Tütensuppen vom Gaskocher bildeten dabei die kulinarischen Höhepunkte.

Ein geschwätziges Vogelpaar fachsimpelt über die Los Ramones.
paine_01

Die Landschaft wird durch Gletscher geformt.
paine_04
paine_05

Wenn die Wolkendecke einen Blick freigibt wird es spektakulär.
paine_07

Neugieriges Gefieder sucht unsere Nähe…
paine_08

… häufig mit unverhohlenem Stolz.
paine_09
paine_10

Der Zweibeiner angesichtig leckt sich das Huemul genüsslich das ausgehende Winterfell.
paine_11

Das Zusammenspiel von Vergänglichkeit und Erneuerung wird nicht durch forstwirtschaftliche Betätigung beeinträchtigt.
paine_14
paine_15

Daher bietet sich dem Auge eine fast völlig unberührt scheinende Landschaft.
paine_12paine_13

Chile – Punta Arenas – Gabba Gabba Hey

Sandy Point – wie diese Stadt bei ihrer Gründung durch die Briten einst lieblos genannt wurde – steht im Ruf, den schönsten Friedhof Südamerikas zu haben.
wick_01
Vor allem aber ist es der Ort einer Verabredung, die wir lange herbeigesehnt hatten: Das unkonventionelle und global operierende Unternehmen Wicked hat sich angeboten, uns einen lang gehegten Wunsch zu erfüllen. Es vermietet Fahrzeuge, die man mit etwas gutem Willen als Wohnmobil bezeichnen kann, eine Fahrzeuggattung, die in Lateinamerika sehr rar ist. Zu diesem Zweck haben die Mitarbeiter gewöhnliche Lieferwagen umgebaut und diesen ein neutrales und unauffälliges Design gegeben.
wick_02
Die Blechdose sollte uns die Unabhängigkeit liefern, die wir benötigten um Patagonien auf eigene Faust zu erobern. Alejandro fungierte bei diesem Geschäft als Mittelsmann. Das chilenische Kompetenzbündel war ein drahtiger Bursche, der seine Daunenjacke mit einer weißen Short kombiniert hatte, was jedoch keinen größeren Schaden an seiner Glaubwürdigkeit anrichtete. Ehrfurchtsvoll lasen wir die klar formulierten Ansagen von seinen Lippen ab, die er mit dezenten aber unzweideutigen Bewegungen seiner Kuchenteller-großen, roten Hände unterstrich. Es mag leichtsinnig von uns gewesen sein, nach dem Namen der Band zu fragen, die als Schattenriss der Seite des Vans den künstlerischen Anstrich gab. Aber es kann sicher nicht der alleinige Grund dafür gewesen sein, unseren Fahrfähigkeiten ein sehr begrenztes Vertrauen entgegen zu bringen; anders war die Bemerkung, “los Ramones” in einem Stück wieder abzugeben, nicht zu deuten.
wick_03
Bei genauerer Betrachtung gab uns seine Bemerkung jedoch auch den nötigen Spielraum, den wir angesichts der zu erwarteten Schotterpisten und Schlaglöcher auch dringlich benötigten. Ausgestattet mit allen Utensilien, die man für solch eine grenzüberschreitende Unternehmung braucht, bedankten wir uns herzlich und füllten unsere Treibstoff- und Lebensmittelvorräte im Einkaufsparadies der zollfreien Zone von Punta Arenas auf. Das Privileg der Zollfreiheit dient in diesen unwirtlichen Regionen eigentlich dazu, letzte individuelle Zweifel für eine in Erwägung gezogene Ansiedlung auszuräumen.
wick_04
Wenige Stunden später konnte unser Roadmovie beginnen. Unsere erste Station war die Stadt Puerto Natales. Sie gilt als Ausgangspunkt für die Unternehmungen in den Nationalpark Torre Del Paine. In ihren engen, aus Holz gebauten Häusern drängen sich zahlreich meist jugendliche und wanderwillige Reisende um die Kanonenöfen. Das Haus des Sportklubs soll als Beispiel für die Bebauung dienen.

Argentinien – Ushuaia – Nationalpark

Marcos Freude über unsere Absicht, den Nationalpark zu besuchen, war erwartungsgemäß groß. Er griff umgehend zu seinem Telefon und bestellte einen Minibus, der uns vor der Haustür abholen sollte. So geschah es, die ca. 5 Kilometer lange Fahrt kostete jeden Fahrgast umgerechnet 20 Euro, die wir bereitwillig bezahlten, weil wir die Höhe des Eintrittsgeldes in den Park noch nicht kannten. Der Süden Amerikas ist zumindest für Euro-Bürger sehr teuer. Wir reden uns ein, es sei für eine gute Sache und hinterfragen diese Sichtweise nicht weiter. Am Eingang des Parks gab es ein kleines Holzhaus mit einem Postamt – natürlich ist es das südlichste der Welt – und einem zwirbelbärtigen Postmann. Agnes kaufte eine Sonderbriefmarke für Hannes:-). Sodann machten wir uns auf eine ausgedehnte und märchenhafte Wanderung. Nun mögen die Bilder erzählen…
ushu_park_04
ushu_park_01ushu_park_02ushu_park_07ushu_park_03ushu_park_10ushu_park_13
ushu_park_11
ushu_park_09

Argentinien – Feuerland – Weicheier in der Pinguinkolonie

Marcos sah uns erstaunt an als wir ihm auf seine Nachfrage hin berichteten, dass wir einen Ausflug auf eine Insel mit einer Pinguinkolonie planten. Sein Erstaunen galt jedoch nicht unserem Wagemut, sondern der für ihn offensichtlich ungewohnten Selbstständigkeit. Er hatte für uns eigentlich einen Besuch im Nationalpark vorgesehen, den wir eigenwillig auf einen anderen Tag verschoben hatten.
ushu_hob_01
So ging es also mit Piratour – der einzigen Agentur, die über eine Erlaubnis verfügte, die Insel anzufahren – mit dem Bus die Routa 9 an der Küste entlang bis Haberton. Die aus wenigen Holzgebäuden bestehende Mission wurde in der Mitte des 18. Jhdts von einem britischen Jugendlichen gegründet, der auf den Malvinas – den gottverlassenen Falkland-Inseln – aufgewachsen war. An diesem Ort hier, an dem vor allem der alles beugende und stetige Wind bemerkenswert war, wollte er Menschen zum rechten Glauben führen, die sich den herrschenden klimatischen Bedingungen nackt entgegenstellten. Von den Yamana – so nannte man diese Menschen – hat das niemand überlebt.
ushu_hob_02
Heute leben hier ambitionierte Biologen, die die Gebeine gestrandeter Meerestiere in einem kleinen Museum wieder zusammen gesetzt haben. Gegen eine Gebühr bekamen wir einen Crashkurs in Sachen Delfin, Wal und Co. Der Unerschrockenste unter den Seinen steuerte uns dann mit einem Boot über die raue See auf ein Eiland über das niemand jemals ein Wort verloren hätte, gäbe es nicht eine große Kolonie Magellan-Piguine. Hier wurden wir regelrecht ausgesetzt, was uns wegen der putzigen Vögel zunächst nicht auffiel.
ushu_ping_03
ushu_ping_02
ushu_ping_06
Neben den Magellan-Pinguinen, die sich hier jährlich zur Brutpflege treffen, tummelten sich noch vereinzelt Königspinguine und ein brütender Skua.
ushu_ping_04
ushu_ping_05
Dann setzte der Regen ein. Der Regen kam von der Seite. Das Boot war inzwischen weg gefahren. Schilderungen zum weiteren Tagesverlauf – die Sonne geizt hier mit Licht, aber dieser Zustand dauert 18 Stunden – möchten wir Euch ersparen; wir möchten auch vergessen…
ushu_ping_01

Argentinien – Rio de la Plata

Für den Fall, dass wir noch nicht darauf hingewiesen haben: Die Umgebung des Flussdeltas hält sehr hohe Temperaturen für seine Bewohner bereit. Das Thermometer auf unserer Veranda kletterte bis zum Nachmittag auf einen Wert von 33 Grad im Schatten. Jede Aktion wird für uns Gringos – so nennt man hier eigentlich den Nordamerikaner, wird aber auch auf Europäer angewendet – zu einem Mühsal. Wir wünschten uns in den kalten Süden – nach Feuerland oder Patagonien – und wussten zu dieser Zeit noch nicht, wovon wir redeten. Zusammen mit dem in diese Region bereits gebuchten Flug hatten wir also genug Gründe unser Schicksal in die Hände einer Agentur zu legen, die eine günstige Kombination aus Bus- und Schiffsreise zurück nach Buenos Aires organisieren konnte.
arg_rio2
Zunächst ging es über Land bis Carmelo wo wir auf ein Linienboot umstiegen und eine hübsche Flussreise antraten. Als die Silhouette von Buenos Aires am Horizont auftauchte navigierte das Boot in einen kanalartigen Seitenarm des Rio de la Plata und brachte uns nach Tigre. Zahlreiche Zeugnisse der vergangenen wirtschaftlichen Bedeutung dieses Städtchens mit kolonialem Charakter waren am Ufer gestrandet und ergaben sich dem Rostfraß.
arg_rio
Heute dient der Ort der Naherholung für die stressgeplagten Porteños. Der erneue Grenzübertritt im Hafen erfolgte nach strenger Begutachtung durch einen Drogenhund, der seine Aufgabe der unterschiedlichen Drogenpolitik beider Länder zu verdanken hatte. Mit einem Minibus durch die Rushhour und dann stehenden Fußes mit der U-Bahn erreichten wir unser Ziel, das für unser Vorhaben verkehrsgünstig gelegene Viertel Flores.
ba_subte