Bolivien – Oruro und Uyuni – 3550 m

Eine Busfahrt im Regen brachte uns in 4 Stunden rund 200 Andenkilometer weiter nach Oruro. Die Bergarbeiterstadt ist im Land für seinen ausschweifenden Karneval bekannt. Interessierte Reisende sollten Bolivien-Erfahrung mitbringen, hier gibt es nichts für Einsteiger. Uns zog ihr Bahnhof an, der eine Zugfahrt nach Uyuni gestattete.
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Der Zug war natürlich nicht pünktlich und musste zudem das Passieren eines weiteren Zuges in die entgegengesetzte Richtung abwarten. Der Bahnsteig bot jedoch schöne Szenen, in denen die Themen Abschied und Warten bearbeitet wurden.
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Nachdem der Zug auch den gewerblichen Teil Oruros verlassen und auch das letzte Rennen gegen wütende Straßenköter gewonnen hatte, rüttelte er über die um 1910 grob verlegten Gleise, die am Rand eines traumhaften Sees und Vogelparadieses entlang führten. Flamingos, Enten und andere Schwimmvögel stiegen aufgeschreckt empor oder begleiteten uns einige Meter.

Als sich die Nacht über die hochandine Landschaft legte, widmete ich meine Aufmerksamkeit dem Klassiker “Terminator 2″, der zum Bordprogramm gehörte. Noch vor “Hasta la Vista, Baby” erreichten wir Uyuni.
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Ein Blick aus dem Treppenhaus des Hotels, in dem wir aus Witterungsgründen ein fensterloses Zimmer bewohnten, machte am nächsten Morgen klar, dass man diesen Ort nicht zweimal besuchen muss.
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Unser Interesse galt zunächst einem Eisenbahnfriedhof, den man nach einem halbstündigen Spaziergang auf den Gleisen und durch den unwirtlichen Stadtrand Uyunis erreichen konnte.
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Auf dem sandigen und spärlich bewachsenen Gelände wurden unzählige Lokomotiven und Waggons aus der Dampfmaschinenära abgestellt, nachdem sie jahrzentelang gewaltige Mengen Silber, Salz und andere Mineralien aus den Bergwerken und Salinen der Hochebene an die Pazifik- und Atlantik-Küsten Südamerikas geliefert hatten.
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Mit etwas Phantasie konnte man sich vorstellen, wie die Heizer an den offenen Feuerklappen schwitzten um gegen die Sauerstoffarmut der Hochandenluft anzuschaufeln; oder wie dichter Rauch aus den Schornsteinen puffte um die schwer beladenen Waggons im Schritttempo über den Pass zu ziehen.
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Nach der Umrüstung der Bahn auf Dieselbetrieb hatte man für sie nicht einmal mehr Verwendung als Ersatzteilspender. Lange Jahre vergessen waren sie der Witterung und dem Oxidationsprozess ausgeliefert bis sie vor einigen Jahren für den Tourismus wiederentdeckt wurden.
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Ähnliches habe ich als aufmerksamer Eisenbahnfan noch nicht gesehen! Wären dort nicht auch täglich unzählige Gruppen Selfie-Stick bewaffneter Backpacker, die auf dem Schrott lateinamerikanischer Wirtschaftsgeschichte herumturnten und selbstverliebte Bildnisse gegen flüchtige Aufmerksamkeit an das Gesichtsbuch verkauften, wäre ich gerne hier begraben.
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Bolivien – Cochabamba – 2600 m

In der Ankunftshalle des Flughafens empfing uns Señor Rafael. Eigentlich steht er mit Agnes in einer beruflichen Verbindung. Mein Eindruck war, dass sich Ihr Arbeitsverhältnis auch mit dem Wort freundschaftlich sehr treffend beschreiben lässt. Er führte uns auf den Parkplatz und ich ahnte bereits, dass er uns mit einem seiner Sammlungsstücke überraschen würde, von denen ich bereits gehört hatte.
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Ich sollte Recht behalten, denn vor einem weißen Volkswagen blieb er stehen und öffnete eine Heckklappe, die den Schriftzug „Variant“ trug. Es zeigte sich ein vorbildlich gepflegter Innenraum mit Originalausstattung. Ohne Zögern zündete der flache 1600er im Heck und die über Stößel bewegten Kipphebel brachten die Ventile zu ihrem Boxer-typischen Klingeln.
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„Und, was sagst Du?“, war einer seiner ersten vollständigen Sätze in Deutsch. Während ich den Zustand des in Brasilien unter dem Namen „Brasília“ gebauten Oldtimers lobte, zog das Stadtbild Cochabambas an uns vorbei. Die neuere Geschichte der Stadt war mir bereits aus dem gelungenen Budget-Streifen „Und dann der Regen“ bekannt.
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Der Krieg um das Wasser ist zunächst vorbei, doch zum ersten Mal bemerkte ich den unverstellten Gegensatz von bemühter Moderne und bitterer Armut. Viele ältere Menschen und Frauen mit Kindern in prekären Zustand betteln an Verkehrsampeln, auf Platzen und in Eingängen.
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Wir besichtigten die ehemalige Residenz eines Zinnbarons und sind beeindruckt von der Pracht und der Verschwendung, die die meist aus Europa stammende Ausstattung ausstrahlte. Das Haus dient heute als Kulturzentrum.
Den Abend verbrachten wir als Gast bei einem Unternehmer, der neben uns und Señor Rafael noch Freunde aus Politik und Kultur eingeladen hatte. Das Thema der übersichtlichen Runde war Bolivien, seine Bildungspolitik und … Evo Morales. Einige Sätze dieses Abends haben uns sehr beeindruckt und werden noch häufiger Gegenstand unserer „Bolivien-Analysen“ sein.
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Nicht nur wir, auch die Menschen auf der Straße sind politisiert. In „offenen Universitäten“ halten auf öffentlichen Plätzen selbsternannte Professoren Vorlesungen zu Imperialismus und Neoliberalismus. Keine schlechte Idee, über die Feinheiten kann man auch später noch im Detail reden!
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Am nächsten Tag querten wir die Altstadt und stürzten uns in das farbenfrohe Getümmel des unübersichtlichen Regionalmarktes La Cancha.
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Wer hierher kam, ist zuvor einem der liebevoll am Blubbern gehaltenen Dodge D-4000 entstiegen und hat den Komfort und die Eleganz des öffentlichen Nahverkehrs Boliviens am eigenen Leib buchstäblich erfahren.
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Dieser Markt ist ein Spektakel aus Farben, Generationen, Geräuschen und Gerüchen; Bolivien, auf einem sehr verdichteten Raum…
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Bolivien – Nationalpark Amboró – Tag 2

Zahlreiche nächtliche Aktivitäten ausserhab unseres Schlafraumes hatten uns beunruhigt. Doch zum einen war uns klar, dass Urwaldbewohner meist nachtaktiv sind, zum anderen ergab ein vorsichtiges Öffnen der Tür, dass Chicito auf unserer Fussmatte lag. Ausserdem hatten sich nach Aussagen des Führers die Pumas bislang mit der Dezimierung der Schafherde auf dem Gelände begnügt.
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In der ersten Morgendämmerung erwachten wir und begaben uns auf die Veranda um die Vögel zu beobachten. Kleine und große Schwärme sammelten sich und vereinbarten die Losungen des Tages. Papageien wechselten in großer Zahl und mit lautem Geschrei von einem Felsenrand zum anderen; leider immer zu schnell für die Lichtverhältnsse oder einfach zu weit entfernt für ein gutes Foto. Ich erinnerte mich an einen grünen Papagei in meiner Kindheit, den meine Eltern aus einem Franco-Spanien-Urlaub mitgebracht hatten. Sein Mitteilungsbedürfnis hat uns oft den letzten Nerv gekostet.
Erwartungsfroh machen wir uns auf den Weg um einen weiteren Themenpfad abzuarbeiten…

Die Tageszusammenfassung mit Dschungelprüfungen: Tag 2

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Hier hängen nicht die Riesenfaultierhoden vom Baum sondern kunstvoll geflochtene Nester.

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XYZ-Promis müssen nicht nackig im Naturbad plantschen.

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Abseits der Pfade war kein Durchkommen.

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Viel Raum für weitere Siedlungsgemeinschaften

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Bitte laut krächzen wenn sich jemand nähert!

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Eigentlich ein tolles Boket, oder ;-)

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Der endemische Sapor ist vollkommen ungefährlich, wenn er sich nicht bedroht fühlt. Denn dann platziert er giftige Spucke vorzugsweise im Gesicht. Als Dekoration bei Dschungelprüfungen ungeeignet!

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Chikito hat ein Gürteltier aufgestöbert, dass sich flugs in seinen Bau zurückgezogen hat. Engagiertes Graben hat zu keinem Erfolg geführt; im Ergebnis keinen Stern und keine Essensration.

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Sonnenanbeter wundern sich über die neuen Camp-Bewohner.

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Chicito hat ein Nest im Waldboden ausfindig gemacht und seine neugierige Schnautze hineingesteckt. Wir schimpfen mit ihm, was aber einen fragwürdigen Nutzen hat. Das Nest wird überprüft und das Wohlbefinden der Piepmätze sichergestellt. Meine einschlägigen Kleingärtnererfahrungen mit Vogelnestern nähren unsere Hoffnung, dass sich die Aufregung bald legt und Alles wieder gut wird.

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Den will selbst Chicito nicht schlucken, der sonst wirklich alles hinunterwürgt.

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Meine schwache Ausbeute hat den Respekt vor Schmetterlingsjägern und Naturfotografen um etliche Einheiten erhöht.

Bolivien – Nationalpark Amboró – Tag 1

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Die Ereignislosigkeit in der Dschungelshow eines deutschen Premiumprogrammanbieters hat in uns das Bedürfnis geweckt, selbst wieder einmal ein Camp inmitten eines brodelnden Urwalds zu besuchen. Ein einfach zu lösendes Problem, denn wenn auch hartnäckig vom „Andenstaat Bolivien“ die Rede ist besteht das Binnenland aus 3 Klima- bzw Vegetationszonen: Tropischer Regenwald, Buschsavannen und eben verschiedene Anden-Stufen. Damit wird es – gemessen an der Zahl unterschiedlicher Regionen im Verhältnis zur Fläche – das vielfältigste Land Südamerikas.

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Wir wählten die Pufferzone des Amboró Nationalparks, weil es dort ein privates Refugio (Dschungelcamp) in einer traumhaften Lage gab.

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Das Refugio de los Vulcanes ist von Santa Cruz aus in nicht ganz 2 Stunden mit mehrere Fahrzeugtypen erreichbar, wobei der letzte zwingend einen Vierradantrieb haben muss.

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Trotz der rund 20 Schlafmöglichkeiten in den 10 Räumlichkeiten blieben wir in der Nacht mit unserem jugendlichen Führer und dessen Freundin allein in der Wildnis. Köchin, Hausmeister und deren Kinder fahren am Abend in ihren Wohnort außerhalb des natürlichen Tal-Kessels.

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Von dem jungen Machetenschwinger und Lagerhund Chicito wurden wir tagsüber durch den Wald und die Berge geführt. Dabei folgten sie Themenpfaden, die vorsichtig in das von steilen Bergen umgebene Paradies getreten und geschnitten wurden.

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Die Themen orientierten sich am wahrscheinlichen Antreffen bestimmter Waldbewohner, wobei wir während dreier Wanderungen niemals die Spezies antrafen, die wir erwartet hatten. Immer dabei waren auch Mosquito und Co. die wir uns mit einer Sprühflasche DEET halbwegs vom Leibe hielten, die von unserer Amazonas-Tour noch übrig war.

Die Tageszusammenfassung und die Dschungelprüfungen nun im Einzelnen: Tag 1

Wer Dr. Bob zugehört hat, weiß, dass Baumschlangen fast immer giftig sind. In diesem Fall ist es eine endemische Vibora. Da Dr Bob in Australien weilt, gilt es, den furchtlosen Lagerhund Chicito festzuhalten und nichts Unüberlegtes zu tun!

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Es sieht nur so aus, als hätten die sich gern. Einer muss das Lager verlassen, kann aber noch dauern…

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Raschelnde und knackende Zweige über uns signalisierten, dass wir in rund 30 m über uns eine Gruppe von Followern hatten. Nach kurzer Zeit kippte die Stimmung und sie warfen Hölzchen nach uns. Wir ertrugen dies, Sterne gab es keine.

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Die Humusdecke ist dünn, da kann man nicht tief wurzeln. Für ordentliches Stehvermögen braucht es Brettwurzeln.

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Nicht alles was wie Spargel aussieht, kann die kargen Essensrationen aufwerten. Lieber nicht ohne den Segen von Dr. Bob essen.

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Pilzsucher werden hier auch ausserhalb der Saison immer fündig.

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Auch um das Camp herum gibt es zahlreiche Trittbrettfahrer, die schnell ins Rampenlicht kommen wollen. Hier heißen sie Bromelien oder Aufsitzerpflanzen. Übrigens: Die Ananas ist auch so eine.

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Wenigstens einer, der sich während der zahlreichen Regenschauer mal nützlich macht.

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Bolivien – Santa Cruz de la Sierra – 400 m

Ein Flug von Tarija nach Santa Cruz hat uns rund 50 Euro gekostet. Nicht nur aus diesem Grunde reist man am besten mit der BOA, denn die Straßen sind meist schlecht, die Fahrzeuge verbraucht und häufig schiebt sich ein Erdrutsch nach Starkregen in die Routenplanung. Autofahrten erfordern außerdem regelmäßige Stopps, die zum Kauf von Getränken und Süßigkeiten verpflichten.
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Die Flugzeit ermöglicht es der Crew, jedem Passagier eine Pappschachtel mit 3 gut gepolsterten Keksen und ein Getränk der Wahl anzubieten.
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Santa Cruz ist die Wirtschaftsmetropole Boliviens und für einen Touristen lohnt der Besuch kaum. Hinzu kommt, dass nur das nach dem Plaza-Modell erstellte Zentrum die gewünschte Sicherheit bietet. Die Einwohner übernehmen keine Garantien für die darüber hinausgehenden Bereiche. Allerdings ist der Flughafen ein wichtiges Drehkreuz, so dass man kaum daran vorbeikommt.
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Unser Hostal war ungewöhnlich und von einem Reiseführer empfohlen, dessen Verlag ein vielleicht zu einsamer Planet zu sein scheint. In Anzahl Sterne ließe es sich grafisch darstellen, wenn ein internationales Design für den Minusbereich entwickelt worden wäre. Wir wechselten in ein Business-Hotel, da ich eine Umgebung benötigte, in der ich mich von dem unerwarteten Racheanschlag eines sehr bekannten Azteken-Königs erholen musste.
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In Santa Cruz bekamen wir unsere erste Lektion in bolivianischer Sozialkunde: Das Land zeigt sich tief gespalten. Die Konfliktlinien laufen entlang diverser und sich überschneidender Zustände: Bettelarm oder steinreich, Stadtmensch oder Campesino, Kreole oder Indigen, trockenes Hochland oder wasserreiche Tiefebene. All diese Linien schneiden sich in einem Punkt, ein energiegeladenes Zentrum, das dem bolivianischen Volk einen Sohn geboren hat. Entweder man hasst ihn oder man liebt ihn: Evo Morales. Er ist der erste indigene Präsident Südamerikas – vielleicht sogar ganz Amerikas – und – nach verbreiteter Meinung – spricht er weder fließendes Spanisch noch fehlerfreies Quechua.
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Bolivien – Tarija – 1900 m

Der Agent der bolivianischen Fluggesellschaft schaute hinter seinem Röhrenmonitor hervor und warf einen freundlichen, aber bestimmten Blick über den hölzernen Schreibtisch zu uns herüber. Nein, es gäbe in den kommenden 2 Wochen keinen Flug von Salta nach Bolivien. Dann nahm er einen Stift in die Hand, zog einen Block hervor und schrieb darauf Stichworte seines folgenden Vortrags, wobei er dessen Ortsmarken nochmals unterstrich. Dies sei die Beste der wenigen Möglichkeiten, nach Bolivien zu kommen, fasste er zusammen. Wir folgten seinen Empfehlungen.

Der Bus erreichte die Grenzstadt Aguas Blancas um 5 Uhr morgens. Der Strom war ausgefallen und wir entglitten dem Fahrzeug in die völlige Dunkelheit. Laut Plan sollten wir nun ein Taxi zur Grenze nehmen, doch die ortskundigen Fahrgäste waren schneller. Die endende Nacht verbarg die Verunsicherung in unseren Gesichtern. Unerwartet fragte uns eine junge Frau, ob wir uns ein Taxi mit ihr und ihrem Freund teilen wollten. Wir bejahten das in eine befristete Adoption mündende Anliegen des chilenisch-argentinischen Paares.
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Daniela und Alejandro geleiteten ihre Adoptivkinder alsdann durch die Silhouette der Grenzstation, in der eine Reihe argentinischer Beamter – jeweils mit einer Taschenlampen unter dem Kinn – die Ausreisestempel in mutmaßliche Pässe drückten.
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Die Beiden führten ihre Schützlinge im ersten Morgenlicht über die nur fuß-läufig passierbare Brücke, dem Regenbogen folgend, über den Grenzfluss. Vorbei an der Bürokratie bolivianischer Beamter ohne das übliche Handgeld; mit einem weiteren Taxi ging es in die nahe Grenzstadt, die den Namen des Flusses trug. Sie organisierten ein Collectivo (Sammeltaxi), borgten ihnen das nötige Kleingeld und lieferten sie 4 Stunden später wohlbehalten, dankbar und erschöpft auf der Plaza der Regionalmetropole Tarija ab. Danke!
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Das nach dem Plaza-Modell erstellte Tarija ist die zweite Stufe unseres Planes zur nachhaltigen Höhenanpassung. Wegen ihres relativen Wohlstandes steht sie zudem für einen entschärften Kulturschock beim Erstkontakt mit dem wirtschaftlich schwächsten Land Südamerikas. Die Umgebung Tarijas ist nebenbei das Weinanbaugebiet Boliviens und wahrscheinlich das höchst gelegene der Welt. Die Weine gibt es nur in Bolivien zu kaufen. Ein Sachverhalt, den ich für alle anderen und die Handelsbilanz des küstenlosen Staates sehr bedauere.
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Das architektonische Glanzlicht bildet ein mit silbernem und goldenem Felgenlack lackiertes Kolonialgebäude – die Casa Dorada.
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In einem der zahlreichen Geschäfte für Kommunikationselektronik kauften wir eine SIM-Karte und machten die ersten Erfahrungen mit landestypischen Eigenarten, die sich in den folgenden Tagen wiederholen werden: Das Spanisch ist innerhalb des Gesprochenen manchmal nur schwer zu identifizieren, der Blick meidet meist den Gesprächspartner, die Zuwendung gilt allen gleichzeitig, dafür aber ist die Aufmerksamkeit kurzlebig und die Handlungsbereitschaft benötigt kommunikative Unterstützung. Diesen Eigenschaften entspricht natürlich nicht jeder, wobei jedoch festzustellen ist, dass Männer ihnen eher zugeneigt sind. Ein Paradebeispiel war der SIM-Kartenverkäufer, dessen Handelsware 7 Tage später ihrer Bestimmung folgte.
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Wie auch in den Nachbarländern werden die Ereignisse in Europa genau beobachtet. Mit einer verdeckten Genugtuung nimmt man zur Kenntnis, dass es „auf dem Kontinent“ ungelöste Spannungen zwischen Bevölkerungsgruppen gibt und bezieht Stellung. Außerdem können wir uns auf eines immer verlassen: Wenn in Deutschland der Mob Aufmärsche gegen Randgruppen organisiert, dann wird das auch in Südamerika in den Aufmachern der Zeitungen und Fernsehnachrichten ausgiebig breit getreten.
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Argentinien – Salta, La Linda – 1400 m

Patagonien war weitgehend erforscht, jetzt mussten wir mal Strecke machen. Das geht am besten mit dem Flugzeug. Unsere Wahl fiel auf die rund 2500 km entfernte Stadt Salta in der gleichnamigen, an die Grenze Boliviens stossende Provinz. „Salta, Die Schöne“ – wie sie sich stets nennt und dabei auf ein Quechua-Wort beruft.
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Salta ist ein hübsches Kolonialstädtchen, das nach einem bewährten Modell erbaut wurde. Ich nenne es das „Plaza-Modell“. Damit erspare ich mir in Zukunft viele Beschreibungen: Die Stadt ist um einen rechtwinkligen Platz (Plaza) erbaut, in dessen Mitte ein Denkmal steht, das eine Statue trägt, die einen nationalen Helden darstellt.
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Um den Platz herum führen Straßen im rechten Winkel.
Es folgen Bürgersteige, die durch die Fassade eines Rathauses, einer Kathedrale, einer Basilika, eines Polizeipräsidiums oder eines herrschaftlichen Stadthauses begrenzt sind. Dieser Bereich wird meist auch als Cafe oder Restaurant genutzt. Ja nach Größe und Bedeutung der Stadt liegen dahinter noch etliche weitere Straßenzüge, die allesamt parallel zu den Seiten der rechtwinkligen Plaza verlaufen.
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Die Plaza ist der sauberste Teil der Stadt. Bänke laden zum Verweilen ein, Straßenverkäufer bieten Süßigkeiten oder lokale Spezialitäten feil, Straßenmusiker sorgen für das musikalische Rahmenprogramm. Liebespaare küssen sich, Burschen pfeifen Mädchen hinterher oder Senioren füttern Tauben.
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Die Aufgabe eines erfahrenen Betrachters ist es nun, herauszufinden, was gerade diese oder jene Stadt einzig macht. Salta ist stolz auf seine Empañadas – mit Fleisch gefüllte Teigtaschen – und seine tänzerischen Darbietungen. Um diese herum zu kommen, ist uns nicht gelungen.
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Dabei führen junge, stolze Gauchos ebenso junge Mädchen schwungvoll über das Parkett und füllen die vibrierende Luft mit schneidigem Gejauchze und Peitschenknallen. Dazu gibt es Volksmusik. Diese Veranstaltungen gibt es, seit die Touristen in Strömen in die Stadt kommen. Zu ihrem Amüsement wurde auch die Seilbahn auf den Berg erbaut, der sich am Stadtrand bis auf 1440 Meter über dem Meeresspiegel erhebt.
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Nicht unerwähnt lassen möchte ich das historische Museum, in dem die Leichen dreier Inka-Kinder aufbewahrt bzw. zur Schau gestellt werden. Der 7 Jahre alte Junge und die 6 und 14 Jahre alten Mädchen wurden um ca. 1480 – also kurz bevor die Spanier kamen – im Rahmen eines wichtigen Inka-Rituals geopfert. Das ist unglaublich traurig und ich werde darüber jetzt noch wütend.
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Sie wurden nach Cuzco (Peru) geführt und dann an den Ort des Opfer-Rituals. Er liegt nicht weit von Salta in einer Höhe von 7000 Metern in den Anden. Die Körper der Kinder sind aufgrund der klimatischen Bedingungen dort oben also fast vollständig erhalten und Wissenschaftler konnten so eine Menge über die Inkas herausfinden. Man weiß nun z.B., wie sie sich ernährt haben oder woher sie kamen. Ich habe eine Karte fotografiert, auf der das rund 40 000 km lange Wegenetz der Inkas in den Anden verzeichnet ist.

Argentinien – Patagonien – San Carlos de Bariloche

Grundsätzlich ist es möglich von Las Varas aus mehrere Fährverbindungen über diverse Seen derart miteinander zu verketten, dass man nach mehreren Tagen nicht nur im argentinischen Bariloche angekommen ist, sondern dabei auch noch die Anden-Kordilleren überquert hat. Wir wählten ein Busunternehmen, das uns in Aussicht stellte, 6 Stunden für die Strecke zu benötigen. Sie führte durch die Regionalmetropole Osorno, an selbigem Vulkan vorbei, durch einen Nationalpark und schließlich über einen gut ausgebauten Andenpass. Der Grenzübertritt nach Argentinien bedeutete für uns auch Abschiednehmen von Chile.
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San Carlos de Bariloche liegt am nördlichen Rand von Patagonien aber man muss dies ausdrücklich erwähnen. Denn wenn man durch die engen Straßen schlendert glaubt man, in Tirol oder der Schweiz zu sein.
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Architektur, Gastronomie und Landschaft versetzen den Besucher in eine Alpenregion. Die Antwort darauf, welche es nun sei, verliert sich in der Mischung aus alpinen Baustilen.
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Das Umland erinnert mich deutlich an den Chiemsee mit den nahen Bergen.
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Wahr ist, dass die Region von vielen flüchtigen Naziverbrechern als Durchgangsstation genutzt wurde. Hier könnte man unauffällig z.B. als „Hans Baumann“ oder „Helga Weiss“ untertauchen.
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Wenn man dem argentinischen Journalisten Abel Basti Glauben schenken mag, dann hat auch Adolf Hitler mit Eva Braun unter einem Alias hier Zuflucht gefunden, bevor er als Fließband-Arbeiter in einem argentinischen VW-Werk seine berufliche Karriere beendete.
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Wer hier – wie wir – wandert, mit dem Mountainbike fährt oder eine lokale Schokoladenspezialität zu sich nimmt, den lässt das ungute Gefühl nicht los, dass auch gesuchte Kriegsverbrecher ihren Lebensabend derart gestaltet haben könten.
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In dem milden aber staubigen Klima habe ich mir meinen Kamerasensor nun endgültig versaut, so dass ich um eine professionelle Reinigung nicht herumkommen werde.

Chile – Patagonien – Chiloé

Wir wählten den kleinen Suzuki, als der freundliche Angestellte uns eine Art Auto anbot. Es stände auch ein Samsung zur Auswahl, jedoch waren wir nicht sicher, ob damit lediglich eine Konsole für unsere Smartphones gemeint war. Geplant war ein zweitägiger Ausflug auf die Pazifikinsel Chiloé. Sie ist mit der Fähre erreichbar und steht bei Patagonien-Reisenden unverständlicherweise nicht oben auf der Agenda. Es mag daran liegen, dass es dort nur zwei Wetterlagen gibt: Dauerregen oder Nieselregen. Der Zufall wollte, dass wir die nicht vorgesehenen zwei Sonnentage des Jahres erlebten.
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Pelikane geleiteten uns über die Meeresenge

Zwar untersteht Chiloé formal der Zentralregierung in Santiago de Chile, es gelten jedoch andere Gesetzmäßigkeiten auf dem durch sanfte Hügellandschaften wohlgestalteten Eiland. Ein Geheimbund von Zauberern, getarnt als unbescholtene Bürger, bildet dort ein grausames Regime. Mit ihren Fähigkeiten führen sie die Menschen nach Belieben ins Verderben, ihr Hunger nach Leid ist unersättlich.
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Trügerischer Alltag

Jungfrauen würgen ihre Eingeweide heraus, damit sie leichter fliegen und übermitteln als Voladoras unheilbringende Anweisungen.
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Die Caleuche, ein Geisterschiff in ihren Diensten, segelt mit betörender Musik gegen den Wind. Ihr Bedarf an Seeleuten ist groß. Ahnungslose werden an Bord gelockt und, wer nicht im Rang eines Kapitäns steht, wird auf einem Felsen ausgesetzt.
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Es gelang mir, sie mit meinem Bootsführerschein zu überlisten.
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Die Regierungszentrale liegt in einer Höhle.

Der Invunche, ein deformiertes Menschenwesen, dient als Wächter der Unterwelt gegen welches das Fegefeuer anmutet wie eine Lufthansa VIP-Lounge. Sein Gesicht ist auf den Rücken gedreht und seine Glieder ausgekugelt. Er wurde mit Katzenmilch aufgezogen und ernährt sich von Menschenfleisch.
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Ein Museumsbesuch in Ancud bot mir die Gelegenheit, eine grafische Darstellung der Insel-Administration zu fotografieren. Der Urheber ist mir leider nicht bekannt.
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Ancud hatte als Kontrollposten der Magellan-Passage eine herausragende Stellung – bis zur Fertigstellung des Panama-Kanals.
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Wir mieteten uns in einem der Palfitos – der Stelzenhäuser oder Pfahlbauten – in der Inselhauptstadt Castro ein. Castro ist nebenbei eine der ältesten Stadtgründungen der spanischen Eroberer. Es nennt auch die größte der 150 Holzkirchen sein eigen, derer 14 bilden ein Unesco-Weltkulturerbe.
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Chiloé ist nicht nur wegen seiner Mystik und eigensinnigen Bewohner etwas ganz Besonderes!
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Chile – Lago Llanquihue – Schwarzwald-Idylle vom Feinsten

Puerto Montt kennt der Patagonien-Reisende weil im Hafen das Navimag-Schiff ablegt. Auf notdürftig in Schuss gehaltenen, einstigen Mittelmeer-Fähren lässt sich bei entsprechendem Wetter ein teuer erkaufter See-Blick auf die Bergwelt Patagoniens werfen. Die Fahrt endet in Puerto Natales. Wenn das Wetter nicht mitspielt liegt man laut Reiseberichten 3 Tage in seinem Erbrochenen oder dem der Mitreisenden. Da wir die Region bereits auf dem Landweg erkundet hatten, wählten wir das Flugzeug.
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Die Gegend um Puerto Montt wurde ab ca. 1850 von meist mitteleuropäischen Einwanderern geprägt. So auch das kleine regionale Wirtschaftszentrum. Die Feuer in den Kesseln der Eisenbahnen sind schon längst verglüht, daher entschieden wir uns für eine halbstündige Taxi-Fahrt nach Puerto Varas. Hier hatten wir bereits eine “Suite” in einem Hotel gebucht, um uns von den Strapazen der letzten Wochen zu erholen.
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Das große mehrstöckige Haus war von einem deutschen Einwanderer vor etwas mehr als 100 Jahren überwiegend aus Holz und im Stil der Zeit erbaut worden. Der Zustand von außen und der erste Eindruck von unserer “Suite” hat uns zunächst in einen Schock versetzt. Da wir noch einen Blog-Beitrag zu unseren Unterkünften planen, will ich hier nur schon mal veraten, dass wir uns von diesem Schock schnell erholt haben und heute noch gerne daran zurück denken.
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Der exklusive Blick aus unserem Fenster bot all das, was man von dieser lebendigen Stadt gesehen haben muss, inklusive der schneebedeckten Kappe des Vulkans Osorno.
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Die deutschen Kolonisten haben sich streng an der Architektur des Schwarzwaldes orientiert. Alle Häuser sind mit Schindeln verkleidet.
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Im Nachbarstädtchen Frutillar – wir haben das mal mutig mit “Erdbeerfeld” übersetzt – hat man diesen Stil zur Blüte getrieben. Auf seine Geschichte ist man hier genauso stolz wie auf den “Kuchen”, der neben Sauerkrautgerichten überall angepriesen wird. Wer es sich leisten kann, mehrere Stücke dieser Kalorienbomben zu bestellen, ordert im spanischen Plural: “Kuchenes”.
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Ein Heimatmuseum bietet die Gelegenheit, sich mit interessanten Anekdoten in die Pionierzeit des 19. Jhdts. versetzen lassen und eine ordentlich erhaltene Wassermühle zu bestaunen.
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