Argentinien – Salta – Tren a las Nubes

Der Tren a las Nubes fährt nicht mehr seit die bislang private Eisenbahngesellschaft von der argentinischen Regierung übernommen wurde.
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Der Bahnbedienstete war zuversichtlich, dass der traditionsreiche Zug im März 2015 mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit wieder seinen Betrieb aufnehmen würde.
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Diese Sicherheit steigerte er mit einer Geste in Richtung eines fast vollendeten Tischmodells in den Bereich der letzten Gewissheit – zu spät für uns!
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Argentinien – Salta, La Linda – 1400 m

Patagonien war weitgehend erforscht, jetzt mussten wir mal Strecke machen. Das geht am besten mit dem Flugzeug. Unsere Wahl fiel auf die rund 2500 km entfernte Stadt Salta in der gleichnamigen, an die Grenze Boliviens stossende Provinz. „Salta, Die Schöne“ – wie sie sich stets nennt und dabei auf ein Quechua-Wort beruft.
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Salta ist ein hübsches Kolonialstädtchen, das nach einem bewährten Modell erbaut wurde. Ich nenne es das „Plaza-Modell“. Damit erspare ich mir in Zukunft viele Beschreibungen: Die Stadt ist um einen rechtwinkligen Platz (Plaza) erbaut, in dessen Mitte ein Denkmal steht, das eine Statue trägt, die einen nationalen Helden darstellt.
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Um den Platz herum führen Straßen im rechten Winkel.
Es folgen Bürgersteige, die durch die Fassade eines Rathauses, einer Kathedrale, einer Basilika, eines Polizeipräsidiums oder eines herrschaftlichen Stadthauses begrenzt sind. Dieser Bereich wird meist auch als Cafe oder Restaurant genutzt. Ja nach Größe und Bedeutung der Stadt liegen dahinter noch etliche weitere Straßenzüge, die allesamt parallel zu den Seiten der rechtwinkligen Plaza verlaufen.
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Die Plaza ist der sauberste Teil der Stadt. Bänke laden zum Verweilen ein, Straßenverkäufer bieten Süßigkeiten oder lokale Spezialitäten feil, Straßenmusiker sorgen für das musikalische Rahmenprogramm. Liebespaare küssen sich, Burschen pfeifen Mädchen hinterher oder Senioren füttern Tauben.
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Die Aufgabe eines erfahrenen Betrachters ist es nun, herauszufinden, was gerade diese oder jene Stadt einzig macht. Salta ist stolz auf seine Empañadas – mit Fleisch gefüllte Teigtaschen – und seine tänzerischen Darbietungen. Um diese herum zu kommen, ist uns nicht gelungen.
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Dabei führen junge, stolze Gauchos ebenso junge Mädchen schwungvoll über das Parkett und füllen die vibrierende Luft mit schneidigem Gejauchze und Peitschenknallen. Dazu gibt es Volksmusik. Diese Veranstaltungen gibt es, seit die Touristen in Strömen in die Stadt kommen. Zu ihrem Amüsement wurde auch die Seilbahn auf den Berg erbaut, der sich am Stadtrand bis auf 1440 Meter über dem Meeresspiegel erhebt.
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Nicht unerwähnt lassen möchte ich das historische Museum, in dem die Leichen dreier Inka-Kinder aufbewahrt bzw. zur Schau gestellt werden. Der 7 Jahre alte Junge und die 6 und 14 Jahre alten Mädchen wurden um ca. 1480 – also kurz bevor die Spanier kamen – im Rahmen eines wichtigen Inka-Rituals geopfert. Das ist unglaublich traurig und ich werde darüber jetzt noch wütend.
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Sie wurden nach Cuzco (Peru) geführt und dann an den Ort des Opfer-Rituals. Er liegt nicht weit von Salta in einer Höhe von 7000 Metern in den Anden. Die Körper der Kinder sind aufgrund der klimatischen Bedingungen dort oben also fast vollständig erhalten und Wissenschaftler konnten so eine Menge über die Inkas herausfinden. Man weiß nun z.B., wie sie sich ernährt haben oder woher sie kamen. Ich habe eine Karte fotografiert, auf der das rund 40 000 km lange Wegenetz der Inkas in den Anden verzeichnet ist.

Halbzeit – unsere Reiseroute

Etwas mehr als die Hälfte der Reisezeit liegt hinter uns. Zum Glück liegt auch noch etwas Zeit vor uns. Für die Neugierigen unter Euch, hier unsere bisherige Reiseroute mit ein paar Kommentaren zu Transportmitteln, Unterkünften usw…

Vielen ist sicher schon aufgefallen, dass unser Blog nicht immer ganz aktuell ist, sondern immer ein wenig hinterherhinkt. Auch diese Karte ist zum Zeitpunkt, an dem ich dies schreibe, nicht mehr auf dem neuesten Stand. Zur Halbzeit hatten wir uns nämlich vorgenommen, neue Regionen kennenzulernen (wir hätten es auch gut geschafft, die komplette Auszeit in Chile und Argentinien zu verbringen).

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Unsere erste Station: Buenos Aires
Die drei Nächte dort waren definitiv zu wenig, um diese tolle Stadt kennenzulernen. Glück hatten wir mit dem über airbnb gebuchten Privatzimmer. Tolle Gastgeber, super Lage, bestes Preis-Leistungs-Verhältnis. Was will man mehr?

Für die Fahrt nach Uruguay über den Rio de la Plata mit Buquebus (Kombi aus Fähre und Busfahrt) haben wir eine Menge Geld bezahlt. Billiger war die Rückfahrt von Piriápolis nach Buenos Aires. Mit den Bus gings von Piria nach Montevideo und von dort bis Carmelo. Dort stiegen wir auf das Linienboot, das uns durchs Flussdelta bis nach Tigre brachte. Von dort gings wieder im Bus nach Buenos Aires. Die Bootsfahrt ist wirklich sehr schön und Tigre ein nettes Örtchen.

Von Buenos Aires brachte uns die Aerolinas Argentinas nach Ushuaia, in die südlichste Stadt der Welt, die übrigens recht hohe Lebenshaltungskosten hat. Von dort ging es später mit dem Bus über die chilenische Grenze nach Punta Arenas. Die lange Fahrt war auch deshalb sehr abwechslungsreich, weil wir mit der Fähre über die Magellanstraße übersetzen. Auf der Überfahrt wurden wir von schwarz-weißen Delfinen begleitet.

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In Punta Arenas holten wir endlich unseren verrückten “wicked”-Van ab, der uns 12 Tage durch Patagonien begleiten sollte. Die Route hieß Punta Arenas – Puerto Natales (bei Regen auf dem verdreckten Campingplatz. Getröstet hat uns das dazugehörige warme Restaurant mit Essen wie bei Muttern zum Billigpreis und mit einem leckeren chilenischen Wein für 5 Euro die Flasche) – Torres del Paine Nationalpark (mein absolutes Highlight, trotz Kälte und Wind. Es lohnt sich den “teuren” Campingplatz im Park mit Warmwasserduschen zu bezahlen: spektakuläre Aussicht und sehr saubere Bäder!) – El Calafate (staubig und touristisch, aber ganz nett) – El Chaltén (der Campingplatz war leider nicht so sauber, hatte dafür aber einen warmen, kuscheligenn Gemeinschaftsraum mit Küche zu bieten) – Rio Gallegos (kann man machen, muss man aber nicht) – Punta Arenas. Von 12 Nächten haben wir immerhin 8 in unserem Minibus geschlafen und ihn nachher auch etwas vermisst…

In Punta Arenas stiegen wir wieder ins Flugzeug, um nach Puerto Montt zu fliegen. Ein netter Taxifahrer brachte uns direkt vom Flughafen nach Puerto Varas, wo wir zunächst einen Schrecken bekamen, als wir unser Bed&Breakfast sahen. Von außen sah es doch sehr renovierungsbedürftig aus und wenn uns nicht ein schrulliger, altersloser Mann angesprochen hätte, der sich später als der Rezeptionist zu erkennen gab, hätten wir eventuell schnell die Flucht ergriffen. Nach den ersten Stunden begannen wir die Casa Lan Antu zu lieben. Vor allem wegen des riesigen Fensters mit Aussicht auf den Vulkan (der allerdings erst nach drei Tagen hinter den Wolken hervorkam).

Von Puerto Varas machten wir mit dem Mietwagen einen Abstecher nach Chiloe (das habe ich auf der Karte vergessen einzuzeichnen), wo wir in einem Palafito-Stelzenhaus übernachteten und nette junge Chilenen auf Pilgerreise (auf den Spuren der Jesuiten) kennenlernten.

Nun verliesen wir Chile aber endgültig und fuhren mit dem Bus über die argentinische Grenze nach Bariloche. Hier haben wir eine ziemlich gute Unterkunft gefunden: Ein Bed&Breakfast, das aber bei Buchung über das Internetportal airbnb fast die Hälfte des regulären Preises kostete. Bariloche ist nämlich nicht billig, zumal wir zur Hochsaison dort aufkreuzten.

Eigentlich wollten wir mit dem Zug weiterreisen zur argentinischen Atlantikküste. Da dieser aber nur einmal pro Woche fährt und wir nicht so viel Zeit verlieren wollten,  haben wir uns anders entschieden. Wir buchten wieder einen Flug (diesmal wars wirklich teuer) über Buenos Aires nach Salta, im Norden Argentiniens. Dort haben wir dann auch ein wunderbares Bed&Breakfast gefunden, das zwar ziemlich teuer war, aber unschlagbar, was Lage, Charme, Sauberkeit, Zimmergröße und Frühstück anbelangt.

Wie es von dort weiterging, werde ich bei anderer Gelegenheit erzählen.

 

 

 

 

Argentinien – Patagonien – San Carlos de Bariloche

Grundsätzlich ist es möglich von Las Varas aus mehrere Fährverbindungen über diverse Seen derart miteinander zu verketten, dass man nach mehreren Tagen nicht nur im argentinischen Bariloche angekommen ist, sondern dabei auch noch die Anden-Kordilleren überquert hat. Wir wählten ein Busunternehmen, das uns in Aussicht stellte, 6 Stunden für die Strecke zu benötigen. Sie führte durch die Regionalmetropole Osorno, an selbigem Vulkan vorbei, durch einen Nationalpark und schließlich über einen gut ausgebauten Andenpass. Der Grenzübertritt nach Argentinien bedeutete für uns auch Abschiednehmen von Chile.
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San Carlos de Bariloche liegt am nördlichen Rand von Patagonien aber man muss dies ausdrücklich erwähnen. Denn wenn man durch die engen Straßen schlendert glaubt man, in Tirol oder der Schweiz zu sein.
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Architektur, Gastronomie und Landschaft versetzen den Besucher in eine Alpenregion. Die Antwort darauf, welche es nun sei, verliert sich in der Mischung aus alpinen Baustilen.
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Das Umland erinnert mich deutlich an den Chiemsee mit den nahen Bergen.
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Wahr ist, dass die Region von vielen flüchtigen Naziverbrechern als Durchgangsstation genutzt wurde. Hier könnte man unauffällig z.B. als „Hans Baumann“ oder „Helga Weiss“ untertauchen.
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Wenn man dem argentinischen Journalisten Abel Basti Glauben schenken mag, dann hat auch Adolf Hitler mit Eva Braun unter einem Alias hier Zuflucht gefunden, bevor er als Fließband-Arbeiter in einem argentinischen VW-Werk seine berufliche Karriere beendete.
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Wer hier – wie wir – wandert, mit dem Mountainbike fährt oder eine lokale Schokoladenspezialität zu sich nimmt, den lässt das ungute Gefühl nicht los, dass auch gesuchte Kriegsverbrecher ihren Lebensabend derart gestaltet haben könten.
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In dem milden aber staubigen Klima habe ich mir meinen Kamerasensor nun endgültig versaut, so dass ich um eine professionelle Reinigung nicht herumkommen werde.

Argentinien – Patagonien – Rio Gallegos

Wir sehnten uns nach weniger Tourismus, nach einem unberührtem Stück Argentinien. Wir träumten von einem Ort ohne Empfehlung in einem Reiseführer; Von einem flimmernden Etwas am Ende einer öden und endlos scheinenden, staubigen Straße,
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für die wir die legendäre Ruta 40 hätten verlassen müssen;
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Nach einem Reiseziel ohne Stellplätze für Campervans. Es sollte über ein heruntergewohntes Hotel verfügen, das nur von Geschäftsreisenden genutzt worden wäre als es noch Geschäfte abzuschließen gegeben hätte;
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Mit einer älteren Frühstücksdame, die mit einer silbernen Kaffeekanne in ihren Händen in der Mitte des Raumes stünde und nur den argentinischen Gästen einen zweiten Café angeboten hätte.
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Der Hafen dieser Stadt ohne Attraktionen hätte seine Entstehung dem alleinigen Umstand verdanken können, dass in der Gegend eine Transportmöglichkeit für Bergbauprodukte wie z.B. Steinkohle benötigt würde, als diese Produkte noch eine wirtschaftliche Bedeutung gehabt hätten.
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In unserer Vorstellung hätte diese Stadt eine Vielzahl von Söhnen und Töchtern für große Taten mit nationalem Rang in die Ferne entsandt und allesamt seien an der Unmöglichkeit ihrer Aufgaben gescheitert. Zum einen, weil sie sich nicht gebührend vorbereitet hätten, zum anderen, weil sie als Repräsentanten von Interessengruppen die Plünderung nationaler Ressourcen lediglich verschleierten.
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Wir betrachteten eine Karte Argentiniens und unsere Fingerkuppen glitten über den südlichen Teil der Provinz Santa Cruz. Plötzlich trafen sich unsere suchenden Blicke an einer Stelle, an der ein Fluss in den Atlantik mündete und eine gleichnamige Stadt verzeichnet war: Rio Gallegos. Sie beherbergte eine Militärbasis, von der aus 1982 die Falkland-Operation koordiniert wurde. Außerdem erfuhren wir, dass die Präsidenten-Familie Kirchner aus ihr stammen soll.

Argentinien – Patagonien – El Chaltén

Eine prägende musikalische Kindheitserinnerung befand sich als Vinylscheibe in einem weißen, von Kinderhänden abgegriffenen Cover in der Plattensammlung meines Vaters. Auf der Mitte der Hülle war ein bunter Kreis, darüber befand sich ein Schriftzug. Dessen Deutung überließ ich meinem Bruder, der bereits lesen gelernt hatte: „Ell Kondopassa“ enthielt eine eindringlich Melodie, dargeboten von einer Batterie von Panflöten und stammte angeblich aus Peru; einem fernen Land, das nur Karl May bereits erreicht haben konnte.

Wer diese Folge von Harmonien einmal bis zum Ende gehört hatte, war ihr bis zum Erreichen der Pubertät verfallen (und hatte nebenbei tödlich genervte Eltern). Auch danach blieb sie unlösbar in temporär ungenutzte Speicherorte meines Gehirns gestanzt, derer es viele gab.

Erst Jahre später sollte diese Musik in den Fußgängerzonen einiger polnischer Ostseebäder wieder auftauchen. Präsentiert wurde sie von asiatischen Schauspielergruppen, die in Kostümen und Gesten nordamerikanischer Indianer die Einheit von Tier, Mensch, Sonne und Mond zeichneten. Diese Performance materialisierte sich in einer käuflichen Musik-CD, deren Inhalt im Hintergrund aus Lautsprechern klang. Zu dieser Zeit wusste ich bereits, dass „El Condor pasa“ ins Deutsche übersetzt ungefähr das bedeutet: „Der größte südamerikanische Geiervogel fliegt vorüber“.
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Weitere Jahre sollten vergehen, bis wir die Rundwanderpfade erkundeten, die die Nationalparkbehörde um die Stadt El Chaltén herum in die Wildnis geschlagen hatte. Der kleine Ort lag in der Sole eines harmonischen Tals, das durch den Rio FitzRoy (!) geschliffen wurde.
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Die Siedlung wurde eigentlich nur geschaffen, um die Einnahmen aus dem Wandertourismus nicht gänzlich den chilenischen Nachbarn auf der anderen Seite der Kordilleren zu überlassen. Wenn die Wetterlage es zuließ, konnte man den Gipfel des FitzRoy (!) erblicken, was jedoch niemals zutraf.

Wir wanderten um einen Berg herum, passierten eine idyllische, zauberhafte Seenlandschaft und konnten bereits wieder die ersten Häuser im Tal sehen.
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Ein Schatten zog über uns hinweg, worauf ich meinen Blick in den Himmel richtete. Die dunklen Konturen eines großen Vogels hoben sich vom Blau des Himmels ab. Die fingerhaften Federn an seinen Flügelspitzen stimmten in meinem inneren Konzertsaal eine Batterie von Panflöten an, die sich urplötzlich aus einer meiner Gehirnwindung herauslöste: El Condor pasa!
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Der Vogel trieb von einer großen Höhe herab, die er mit Hilfe thermischer Winde erklommen hatte, verschwand hinter einem Berg. In diesem Augenblick legte er eine Distanz zurück, für die wir einen ganzen Tag gewandert waren.
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Kurze Zeit später passierten wir eine Felswand, in der ich einen kleinen weißen Punkt ausmachte. Bei näherem Hinsehen erkannten wir das hühnergroße Küken des Condors, das sich durch seine am Horsteingang heruntergelaufene Notdurft verraten hatte.
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Bevor ich das vergesse: Robert Fitz Roy war der Kommandant der Beagle. Dieses Schiff hatte auch Charles Darwin für seinen Patagonien-Reisen genutzt. Es reicht also schon, hunderte von Kilometern an einem Berg vorbei gesegelt zu sein, damit er Deinen Namen trägt. Anders als Fitz Roy hat Darwin die naturwissenschaftlichen Entdeckungen ihrer gemeinsamen Reisen nicht mit der Schöpfungskraft Gottes erklärt und somit keinen Berggipfel erhalten.

Argentinien – Carnivore II

Der Vegetarier spielt in der argentinischen Ernährung eine wichtige Rolle – im Besonderen als Grillgut in der Parilla.
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Die Parilla ist sozusagen das Ernährungszentrum des Argentiniers. In Köln würde man Grillhaus oder – wie in Köln Nippes der 90er Jahre – einfach „Grill 2000“ dazu sagen. Ganz vorne auf dem Rost bzw. am Feuer liegt das rote Fleisch des Vegetariers, meist Rind oder Schaf aber auch Lama oder Guanako.
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Wohl wegen seiner herausragenden Stellung wird es gerne gekreuzigt und an den Rand eines offenen Feuers gestellt.
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Weißes Fleisch hingegen, wie es die Allesfresser – Schwein oder Geflügel – liefern, kann als Sättigungsbeilage dienlich sein. Aber Vorsicht: Als Mann ein Hühnchen zu bestellen kann schnell dazu führen, dass man als homosexuell eingeschätzt wird. Das wäre weiter nicht schlimm, wenn es nicht folgende Bewandtnis hätte: Homosexualität wird hierzulande nicht ähnlich interpretiert wie z.B. in einer Kölner Walldorfschule; also als gleichberechtigte sexuelle Ausrichtung oder als Spielart der Natur. Vielmehr muss man als männlicher, mutmasslicher Homosexueller eine gewisse Nachrangigkeit in der gesellschaftlichen Wertschätzung hinnehmen. Ähnlich wie der Sohn der Prostituierten – oder gar alles das, was eine Prostituierte im metaphorischen Sinne gebären könnte – ist der Homosexuelle nämlich ein unverzichtbares Element im Satzbau des argentinischen Mannes. Es ist eine Position, die es keinesfalls anzustreben lohnt.
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Argentinien – Glaciar Perito Moreno – von der Bläue des Lichts

Die Kolonisierung des amerikanischen Kontinents stellte die meist europäischen Einwanderer unter anderem vor folgende Herausforderung: Wie sollte die Siedlung heißen, die sie gedachten zu gründen? Welchen Namen soll der Fluß tragen, der durch sie hindurch fliesst? Wie nennt man den Berg am Horizont, wie das Tal? In Abhängigkeit vom Besiedlungszeitpunkt und von der Region haben sich folgende Herangehensweisen als günstig erwiesen: Man fragt die Ureinwanderer oder man nennt den großen Fluss einfach Rio Grande – was so viel heißt wie großer Fluss. Dass der Ureinwanderer nicht notwendigerweise kreativer war, belegen die Wasserfälle Iguazu. Denn frei aus der Tupi-Sprache übersetzt heißt das eben auch nur „Grosses Wasser“.

Im Anchluss an die der grobe Orientierung dienenden Erstbenamung kamen dann zügig populäre Heilige ins Spiel, z.B. Santiago de Chile, … de Cuba etc. (Hl. Jakob von …). Als das Zeitalter der Aufklärung näher rückte mussten herausgehobene Persönlichkeiten der Wissenschaften dran glauben. Einer von ihnen war Perito Moreno, ein argentinischer Universalgelehrter, wobei der Zusatz Perito für „Experte“ steht. Seine Expertise ging so weit, dass heute eine Stadt, ein Nationalpark und eben eine Gletscherzunge seinen Namen tragen. Das Besondere an diesem Gletscher ist nun, dass man ihn trockenen Fußes erreichen kann und dass er heute noch weiter wächst.
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Wir näherten uns dem Unesco-Weltnaturerbe über eine verspielte Asphaltstraße, die sich am Ufer des Gletschersees entlang schlängelte. Eine willkommene Abwechselung zu den per Lineal gezogenen Verbindungsstraßen Argentiniens. Noch wirkte er wie andere Gletscher, die wir aus der Ferne betrachten durften.
Hölzerne Laufstege erleichtern die letzten Kilometer des Zugangs und rechtfertigen das Eintrittsentgelt. Nun entwichen uns die ersten Ohhh.. und Ahh… Laute.
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Ich könnte jetzt Fakten nennen wie z.B. eine Höhe von rund 180 Metern usw. Das würde aber nichts erklären. Besser, man fährt mal hin und sieht sich das an! Der Grössenvergleich mit den Besuchern auf den Stegen (unten links) macht es deutlicher.
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Mit einem Teleobjektiv kann man die Details der Baisertorte ins rechte Licht rücken – ein blaues Licht von besonderer Ausstrahlung!
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Es war schon Nachmittag und auf die Wärme der Mittagssonne antwortete der Gletscher mit einem erschütternden Knacken, das in Mark und Bein fuhr. Dem folgte stets ein Raunen aus den Reihen auf der Zuschauertribüne. Mit etwas Glück war die Kamera bereit und der Augenblick, in dem sich ein großes Stück Eis löste und mit einem gewaltigen Getöse in das Wasser klatschte, ließ sich einfangen. Schiffshohe Wellen breiteten sich daraufhin ringförmig um die strudelnde Stelle auf der Oberfläche des Sees aus.
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Aber der gute Perito Moreno hätte das sicher fachlich anspruchsvoller erläutert…
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Argentinien – Patagonien – kleiner Tank, weites Land

Wir verließen den Nationalpark Torre del Paine um die Gletscherregion am Lago Argentino zu besuchen. Der See ist einer der grössten Binnengewässer Südamerikas und liegt – wie der Name erwarten lässt – in Argentinien. Hierzu ist ein Grenzübertritt notwendig, allerdings erwarteten wir keine Komplikationen, da im Vergleich zu Chile die argentinischen Behörden weniger strenge Regeln zum Mitführen von Lebensmitteln geschaffen haben. Man mag diese Regeln für unzeitgemäß halten, doch tatsächlich spielen sie in Chile eine wichtige Rolle. In dem zwischen Pazifik und Anden isolierten Biotop existieren heute noch Kulturpflanzen, die in ihren Herkunftsregionen wie z.B. Europa bereits durch Viren, Bakterien oder anderen Schädlinge vernichtet wurden und ausgestorben sind.
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Chilenisch-Argentinischer Grenzübergang

In Argentinien fiel nun lediglich auf, dass uns der chilenische Grenzer versehentlich nochmals einen Einreisestempel statt jenen für die Ausreise in den Pass gedrückt hatte. Eine günstige Gelegenheit die Aufmerksamkeit des argentinischen Beamten zu loben und Seitenhiebe auf die chilenischen auszuteilen. Schnell verbesserten sich die Straßenbedingungen, allein das weitmaschige Tankstellennetz machte uns Sorgen, denn die Klötzchen der Tankanzeige stapelten sich im unteren Drittel.
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Mitten im Nirgendwo näherte sich eine Tankstelle. Agnes schlug vor, zu tanken. Neben dem Tankstellenhäuschen schwebte ein großer Vogel über einem an einer Leine hängenden, ausgeweideten Kadaver. In meinem inneren Kino lief der Vorspann von „Psycho IV“ als ich mich plötzlich sagen hörte: „Fahr weiter, wir haben genug Sprit!“. Zäh und langsam näherten wir uns dem Ort La Esperanza, der laut Angaben meiner OSM-Karte über eine Tankstelle verfügte; darüber hinaus über ein “Hotel”, eine Straßenkreuzung und viel, viel Staub. Der Tankwart wischte mit einem öligen Lappen über die Diesel-Zapfsäule. Er schaute nur kurz zu uns auf als ich ihm ein fragendes „Gasolina?“ zurief und antwortete bestimmt: „No hay!“ – „Gibts nicht!“.
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Rund 50 Kilometer vor dem eigentlichen Ziel standen wir am Straßenrand, Agnes schwenkte den leeren Benzinkanister wenn sich ein Fahrzeug näherte. Nach wenigen Versuchen stiegen 4 verwegen aussehende Kerle aus 2 heruntergerittenen Karren der 80er Jahre. Weitere 10 Minuten später erkannte ich in ihnen die Engel aus Mendoza, die immer einen Gummischlauch mitführen und wissen, wie man damit Benzin aus einem Autotank abfüllt – für ein herzliches Vergelts Gott. Bevor sich die Sonne in den Lago Argentino versenkte erreichten wir die Stadt, die ihren Namen einer Cranberry-ähnlichen Beere verdankte – El Calafate.
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Calafate
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Lagune am Lago Argentino

Pinguine gegen die Instrumentalisierung des Artenschutzes

Südlich des Rio Negros wird der Pinguin in einem unerträglichen Maße herabgewürdigt. Die meist als Artenschutz getarnten Demütigungen reichen in alle Bereiche des Alltags hinein.
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Meist wird der Pinguin durch Überziehen oder Überstülpen von Kleidung mit der Symbolik des christlichen Abendlandes,
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der vereinssportlichen Ertüchtigung oder der hoheitlichen Aufgabenwahrnehmung öffentlich zur Schau gestellt
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oder anderweitig in die Nähe homonider Verhaltensweisen gerückt.
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Häufig werden auch szenetypische Pullover und T-Shirts mit seinem Bildnis verfertigt und damit die Strasskatze aus ihrer natürlichen Umgebung verdrängt.
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Das ist nicht gut.