Peru – Ollantaytambo und das Heilige Tal – 2800 m

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Wie ich bereits erwähnt hatte, war Cusco bis zum Jahre 1911 eine unbedeutende, verschlafene Regionalmetropole irgendwo in den Anden. Das änderte sich mit der (Wieder-)Entdeckung eines spektakulären Ortes in seiner näheren Umgebung: Machu Pichu. Das Unesco Kulturerbe etc. läßt sich eigentlich nur über Cusco erreichen. Den dort ankommenden Touristen wird gerne von allen Seiten vorgemacht, dass es zum Besuch Machu Pichus die Unterstützung orts- und marktkundiger Vermittler bedarf oder dass die Anzahl möglicher Besucher beschränkt sei. Das ist natürlich Quatsch und dient dazu, dem Interessierten eine übereilte Entscheidung abzuringen. Man kann die Zugfahrt dorthin, die Übernachtung und den Zutritt zum alten Gipfel – so heißt der Ort nach der Übersetzung aus dem Quechua – in Cusco leicht selbst organisieren. Man kann dort aber auch in aller Ruhe eine Agentur suchen, die ein Komplettpaket zu einem fairen Preis anbietet. Ich würde sagen, dass wären ungefähr 250 bis 300 US Dollar pro Person – leider auch nicht gerade ein Schnäppchen.
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Diesen Weg wählten wir und kombinierten den Ausflug mit einem Abstecher in das Heilige Tal und die Inka-Stadt Ollantaytambo. Bereits auf der Fahrt dorthin zeigten einige unserer Mitreisenden ein auffälliges Verhalten: Sobald sie Lamas oder traditionell aussehende Menschen sichteten, zückten sie eine Teleskopstange mit Smartphone und versuchten eine Aufnahme, auf der offenbar vor allem ihr Gesicht eine größere Rolle spielten sollte.
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Wir erreichten die bis heute vollständig erhaltene Stadt Ollantaytambo. Sie lag am Fuß einer weitläufigen Terrassenanlage, die sich über die umgebenden Berghänge des Urubamba-Flusses verteilte. Nachdem die zahlreichen Stufen erklommen waren, fanden wir uns inmitten einer Kultstätte wieder, die augenscheinlich auch militärischen Charakter hatte; dafür sprachen einige Merkmale.
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Alles befand sich seinerzeit im Bau als die Spanier kamen, d.h. wir standen auf einer antiken Baustelle. Das erklärte auch die unversehrt herumliegenden tonnenschwere Steine. Es schien ein wenig so, als wären die Steinmetze und Mauersetzer des Inka im verdienten Feierabend und morgen, in aller Frühe, würden sie ihr Handwerk fortsetzen.
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Von hier oben bot sich ein fantastischer Blick über die Stadt, die zu landwirtschaftlich Zwecken genutzten Terrassen und das Tal. An dessen gegenüberliegendem Hang drängten sich die Ruinen eines alten Getreidelagers. Das Tal wurde bis zur Eroberung durch die Spanier zur Lebensmittelversorgung der umliegenden Städte beansprucht. Das Inka-Reich hielt zu dieser Zeit mehr landwirtschaftliche Nutzflächen in Betrieb als das heute auf dem entsprechenden Grundriss der Fall ist. Die Terrassen sind zum Teil so gestaltet, dass es von einer Stufe zur anderen Stufe einen Temperaturunterschied von 5 Grad ergibt. Das eröffnete den Bauern die Möglichkeit, Nutzpflanzen für unterschiedliche Klimabedingungen einzusetzen.
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Wie die Spanier haben auch die Inka-Architekten Ollantaytambo nach dem Rechteck-Prinzip organisiert. Die Gebäude sind heute noch bewohnt, Wasserversorgung und Abwassersystem funktionieren wie geplant.
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Auf dem Weg vom Ortskern zum Fluss trafen wir auf den Bahnhof, er hatte nur einen Zweck: Machu Pichu; bzw den dazugehörige Bahnhof in Aguas Calientes. Zwei Fahrkarten von PeruRail befanden sich bereits in unserem Besitz und sollten uns auch dorthin bringen. In den vergangenen Jahrzehnten war Misswirtschaft in peruanischen Staatsbetrieben ein verbreiteter Zustand, so dass das Unternehmen PeruRail schon seit langer Zeit in den Händen eines chilenischen Transportunternehmens ist.
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Peru – Cusco – 3400 m

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Hier musste es also gewesen sein! Manco Capac rammte seinen goldenen Stab in den Boden und die humusreiche Erde nahm ihn auf bis zum Schaft. Die Grundstruktur dieser Gründung ist bis heute erhalten geblieben, trotzdem hat die Stadt ein neues Gesicht.
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Schwere Kriege gegen die Spanier, deren missionarischer Eifer und mehrere Erdbeben haben ihre Marken hinterlassen. Nachdem ein an der Pazifikküste gelegener Hafen und mit ihm Lima zur Hauptstadt des Vizekönigreichs Peru bestimmt worden war blieb Cusco jahrhundertelang in der andinen Provinz vergessen. Das tat dem Stadtbild gut.
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Die von den Inka-Architekten errichteten Grundmauern fanden auch bei den neuen spanischen Herren gefallen, allein ihr Überbau wurde nach der Einnahme im Kolonialstil erneuert: Kathedralen, maurische Holzbalkone, Ziegeldächer und durch schattenspendende Bögen gerahmte Plazas.
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Das geschickt in Ornamente kontinentaler Tradition eingeflochtene Andenkreuz erzählt, wer die Umbaumassnahmen durchgeführt hatte: Die Inkas selbst. Das Symbol steht für die vier in Himmelrichtung ausgerichteten Reiche die in Tawantinsuyu zusammengefasst waren und das Inkareich bildeten. Der Kreis bzw. das Rechteck in der Mitte steht für die Hauptstadt Cusco.
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Ich kann mich nicht erinnern, dass ich jemals zuvor minutenlang vor beliebigen, kahlen Mauern stehen geblieben bin, um sie zu betrachten. Der Grad der Feinheit in der Bearbeitung eines Steines gab Aufschluss über den Stand des Hausbesitzers. Je glatter die Oberfläche und je ausgefeilter die Form, desto wichtiger bei Hofe. Die millimetergenau ohne Mörtel ineinander gesetzten Steine hatten einen weiteren Vorteil: Sie hielten den zahlreichen und verheerenden Erdbeben stand.
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Je weiter wir vom Zentrum entfernt waren, desto gröber wurde die Textur. Die Einwohner von Cusco bewohnen und bewirtschaften diese Gebäude mit einer ungewohnten Selbstverständlichkeit. Aber es waren ja schließlich keine unbewohnbaren Ruinen, wie vieles andere, was von den amerikanischen Ureinwanderern übrig geblieben war …
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… allerding nicht in jedem Fall.
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Peru – von Puno nach Cusco per Inka-Express – 4300 m

Anders als der Begriff „Inka-Express“ nun glauben macht handelt es sich dabei keineswegs um eine Eisenbahnstrecke sondern eine Busverbindung. Die Route verlief zwar häufig in Sichtweite des traumhaft verlegten Schienenstrangs und benötigte fast eben so viel Zeit wie der darauf fahrende Zug. Allerdings bietet die Asphaltbahn zwischen der Stadt Puno am Titicaca-See und Cusco einige unschlagbare Vorteile: Der speziell an die mutmaßlichen Erwartungen von Touristen angepasste Bus hält an diversen Schauplätzen, die zwischen dem erwähnten „Geburtsort“ des Inka und der sagenhaften Inka-Hauptstadt liegen. Es ist nicht so, als dass die Reise des Manco Capac mit seinem goldenen Stab nacherzählt werden würde, aber die Stopps geben doch einen interessanten Einblick in die Gegebenheiten des Inka-Reiches.
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Lange nachdem wir die durch einen starken Regen verschlammte Regionalmetropole Juliaca hinter uns gelassen haben und ländlich geprägte Architektur längst als einfache Lehmhütten bezeichnet werden mussten, erreichten wir die teilweise geschliffene Festung Pucará. Hier zeichnete sich bereits die unrühmliche wie auch konsequente Vorgehensweise der spanischen Konquistadoren bei der Würdigung des architektonischen Erbes der Ureinwohner ab: Sobald ein Gebäude nur den Hauch einer kulturellen oder religiösen Bedeutung hatte – wie z. B. der Pucará-Tempel – wurde es dem Erdboden gleichgemacht und aus seinen Trümmern eine Kirche errichtet. Die zwei Lamas aus Ton, die die Einwohner traditionell als Glücksbringer auf ihre Dächer setzten, wurden zudem durch tönerne Stiere ersetzt.
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Der Inka-Express schickte sich an, den La Raya Pass zu überqueren, ein Umstand, der uns nochmals auf eine Höhe von 4300 m bringen würde. Der Pass bildet zugleich eine Wasserscheide, die einerseits dem Titicaca-See und anderseits Cusco und dem heiligen Tal die Fliessrichtung des versorgenden Wassers zuwies. Die Landschaft ist durch Ackerbau geprägt, dessen Terrassen-Struktur die Handschrift der Inka-Bauern verriet. Die Lehmhäuser wurden immer kleiner, nicht wegen eines vermeintlichen Mangels an Baumaterials, vielmehr wegen der Schwierigkeit, diese Gebäude in einem Winter von rund minus 20 Grad ausreichend zu beheizen. Es gibt kein natürliches Holz auf dieser Höhe, so dass Lama-Dung meist als Brennstoff dient.
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Bald erreichten wir Raqchi mit dem Tempel von Wiracocha. Diesen Ort haben wenige Peru-Reisende auf dem Zettel, weil er etwas abseits der großen Publikumsmagnete liegt. Es gab eine Vielzahl von Gründen sehr beeindruckt zu sein. Wenn man den Ausführungen glauben schenken mag, wurde die weitläufige Anlage als eine Art Wellness-Oase für die Inka-Elite genutzt. Sie liegt – wie viele Inka-Städte – in oder an einem Tal-Kessel, der von schwer zu überwindenden Bergen gesäumt war.
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Unser nächstes Ziel war die kleine Bergstadt Andahuaylillas. Hier ist es den Bewohnern gelungen, eine Inka-Hängebrücke zu erhalten, der sie eine Römer- wie auch später eine Stahlbrücke zur Seite stellten; ein Brücken-Museum das bestimmt seinesgleichen sucht.
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In dem frühkolonialen Kirchlein San Pedro Apostol de Andahuaylillas sollte nun erstmalig ein kleines Konzert für uns aufgeführt werden, ein Test für die Fahrgäste des Inka-Express‘ wie es hieß. Wir betraten das Kirchenschiff und waren erst einmal erstaunt über die reichhaltige und barocke Original-Ausstattung, die das Fotografieren leider nicht gestattete. Vor dem Altar war ein aus Streichern und Bläsern bestehendes Kinder-Orchester aufgereiht, dessen Mitglieder nervös die kurzen Standbeine hin und her wechselten. Wir setzen uns in die ersten Reihen der altehrwürdigen Bänke während uns die hoffnungsvollen Talente in blumigen Worten angekündigt wurden. Eine kurze Stille und spannende Sekunden später überrannte uns eine Kakophonie aus Geigen und Flöten, wobei sich nur langsam die Grundstruktur einer sehr bekannten peruanischen Volksweise ankündigte: El Condor Pasa! Ich hielt Agnes fest an der Hand und starrte nach vorne um sie nicht ansehen zu müssen, denn uns war klar, dass sich dies in einen wenig höflich erscheinenden Lachanfall gesteigert hätte. Was wir bis dahin noch nicht wussten: Hier in diesem Kirchlein wurde das weltbekannte Stück von seinem Komponisten Daniel Alomía Robles uraufgeführt, er hatte es hier in seiner Heimatstadt Andahuaylillas geschrieben.
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Zwei Stunden später erreichten wir das monumentale südliche Stadttor der ehemaligen Inka-Stadt Cusco.
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Bolivien/Peru – Titicaca-See – 3800 m

Ein unübersichtlicher Grenzverlauf zwischen Bolivien und Peru war für die Abwege unseres Busses verantwortlich, die erforderlich waren, um die bolivianische Stadt Copacabana am südlichen Ufer des Titicacasees anzufahren. Wir selbst nahmen aus Gründen der Sicherheit die Personenfähre.
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Man muss Copacabana nicht kennen, aber wer sich hier hin begibt ist sehr wahrscheinlich stolzer Besitzer eines Neuwagens, sei es ein Auto, Bus oder Lkw. Denn hier erhält man den Segen der Geistlichkeit, der mehr zählt als die lausigen Versicherungen, die kaum einen möglichen Schaden zu regulieren vermögen. Ein Blumenstrauss und dann heisst es vor der Basilika maurischen Stils warten bis ein Mönch oder ein Schamane kommt und die Segnung erteilt.

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Auf dem Hausberg hat man eine gute Sicht auf die Stadt, die 4000 m Marke erreicht und befindet sich auf einem rituellen Platz, dem Horca de Inka.

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Isla del Sol

Nach einer der Legenden, die die Schöpfung des Inka-Volkes erzählen, ist hier – also auf der Sonneninsel – der erste Inka auf der Erde erschienen. Es sei dahingestellt, ob er nun aus dem Schaum des Titicacasees geschaffen wurde oder an einem der markanten Felsen auf die Insel herabgestiegen war. Es muss ungefähr das Jahr 1200 n. Chr. gewesen sein, er trug den Namen Manco Capac und der Sonnengott Inti hatte ihm einen goldenen Stab mitgegeben. Inti trug ihm ferner auf, eine Stadt an jenem Ort zu gründen, an dem der Stab sich vollständig in die Erde versenken liess, jedoch derart, dass er wieder herausgezogen werden konnte.

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Archeologischer Fund bzw. Keramikfigur

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Stolze Nachfahrin des Inka

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Altar der Tempelanlage

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Der Titicacasee ist nicht nur in der Inka-Mythologie ein Symbol für Fruchtbarkeit, der Boden war für das Vorhaben des Inka jedoch ungeeignet. Auf jeden Fall hat Manco Capac die Insel verlassen und sich auf die Suche begeben…

Die schwimmenden Inseln der Urus

Nun folgt ein Zeitsprung von wenigen hundert Jahren, den ich aus Gründen unserer Reisechronologie einschieben muss: Das Inka-Volk ist längst gross, mächtig und hat fast alle benachbarten Völker unterworfen – bis auf ein kleines wehrhaftes Völkchen, dass eine besondere Überlebendsstrategie entwickelt hat. Um sich dem Einfluss des Inka zu entziehen, lebten die Urus auf Inseln, die sie aus dem Wurzelwerk des Schilfs errichtet haben und ernährten sich ausschliesslich von dem, was der See ihnen bot. Da sich diese Inseln mit der Seeoberfläche bewegen, entsteht der Eindruck, als würden sie schwimmen.

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Eine Insel wird gewöhnlich von einer kleinen Familie bewohnt. Der Teufelsbraten spielt noch harmlos mit dem Ball, er hat noch nie Schokolade gegessen und noch nie Seife gesehen. Er steht kurz davor, sich für die Digitalkamera von Agnes zu interessieren…

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Ein Modell zeigt Aufbau und Grundausstattung einer jeden Insel. Der Ausguck dient der Kommunikation mit den Nachbarinseln.

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Bolivien – Schuhputzer in La Paz

Sie sind auf allen wichtigen Plätzen, in Geschäftsstraßen und überall, wo sich potentielle Kunden tummeln: die Schuhputzer – lustra zapatos oder limpia botas – von La Paz. Auch in anderen Städten sind wir ihnen schon begegnet. Aber hier stechen sie uns besonders ins Auge. Hier tragen sie nämlich nicht nur ihr kleines Holzschächtelchen mit Schuhcreme und Bürste mit sich herum. Hier in La Paz fallen sie auf, weil sie sich hinter Gesichtsmasken verstecken. Wir haben uns natürlich gefragt, warum das so ist und haben als Antwort einen Tipp von meiner Kollegin Steffi bekommen. Sie hat uns auf eine Organisation hingewiesen, die Stadtführungen in La Paz anbietet. Das sind keine gewöhnlichen Touren, sondern sie werden von Schuhputzern begleitet.

Auf dem Rundgang haben wir dann also zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen, wir haben Interessantes über die Stadt La Paz erfahren und die wichtigsten Plätze besucht und gleichzeitig etwas über die Geschichte der Schuhputzer allgemein und die ganz persönlichen Lebensumstände unserer Guides gelernt. Wir haben gehört, dass die Schuhputzer in der gesellschaftlichen Hierarchie der Stadt ziemlich weit unten stehen. Der Ruf des Berufszweigs ist schlecht: Man bezichtigt sie des übermäßigen Alkohol- und Drogenkonsums. Um dieses Stigma zu vermeiden, verstecken sich viele hinter ihrer Maske. Denn tatsächlich verbergen sich unter den Schuhputzern Menschen, die zwar aus einfachen Verhältnissen stammen, aber auch Ambitionen haben, die sich etwas dazuverdienen müssen oder neben dem Studium auf der Straße arbeiten. Sie wollen nicht von ihren Kommilitonen, ihren Kollegen, Nachbarn und manchmal sogar von ihren Familien erkannt werden.

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Tito putzt an der Plaza San Pedro, vor dem berühmten Gefängnis. Berühmt deshalb, weil dort in der Vergangenheit sogar Touren für Touristen angeboten wurden. Das war wohl ein lukratives Geschäftsmodell für die Anbieter, denn in diesem Knast läuft es anders als bei uns. Die Gefangenen müssen sich ihre Zelle kaufen und je mehr Geld und Einfluss sie haben, desto angenehmer wird ihr Leben hinter Gittern ablaufen. Manche leben dort zusammen mit der ganzen Familie. Nicht die Polizei hat hier das Sagen, sonderrn die Macht liegt in den Händen der Insassen selbst – natürlich spielen Drogen eine große Rolle. Das Ganze funktioniert wie eine Parallelgesellschaft.

Tito erzählt, wie er als Kind im Gefängnis Schuhe geputzt hat: Sonntags putzen sich die Insassen heraus. Sie lassen sich die Haare machen, ziehen ihren besten Anzug an und brauchen natürlich auch blitzblanke Schuhe…

Tito selbst kommt jeden Tag mit dem Bus von El Alto, der Schwesterstadt von La Paz, herunter. Dort leben die meisten Schuhputzer, die ambulanten Straßenhändler und viele, die die kleinen Dienstleistungen auf den Straßen La Paz’ anbieten. Er hat einige Stammkunden, die er heute aber versetzt und zu seinem Kollegen  schickt, während er uns berichtet. Jeden Tag wartet er auf diiesem Stammplatz an der Plaza.

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Nicht alle Kollegen von Tito nutzen den Vorteil eines Stammplatzes, denn dazu ist es nötig, Mitglied in einerr Asociación de lustra zapatos, einer Art Schuhputzerverband, zu sein. Die Mitgliedschaft kostet natürlich Geld, das nicht alle aufbringen können. Außerdem will die Stadt die Zahl der Schuhputzer begrenzen und vergibt keine neuen Plätze. Man kann also ggf. nur den Platz eines anderen überrnehmen. Als ambulanter Schuhputzer kann man aber auch Stammkunden haben, wie uns ein anderer Schuhputzer, Walter, an der Plaza Mayor schildert. Er nimmt jeden Tag die  gleiche Route und zieht von einem Platz zum anderen. Die Plaza Mayor, gleich neben der Plaza San Francisco (und der gleichnamigen Kirche) gelegen, spielte übrigens eine bedeutende Rolle im Leben der Schuhputzer. Hier wurde früher ein Fussballturnier der verschiedenen Asociaciones ausgetragen. Noch heute scheinen jugendliche lustra zapatos sich dieser Tradition in der Mittagspause zu erinnern.

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Schuheputzen, das kostet in der Regel 1,5 Bolivianos. Das sind umgerechnet vielleicht 20 Cent. An einem guten, sonnigen Tag kommt ein Schuhputer vielleicht mal auf 100 Bs. Je nach Wechselkurs entspricht das grob 10 Euro. Im Durchschnitt wird er aber eher 30-40 Bs. verdienen. Damit ist es selbst in einem armen Land wie Bolivien schwierig, eine Familie zu ernähren. Auch Kinder putzen, z.B. in den Ferien, um das Famiieneinkommen aufzubessern. Kinderarbeit ab 10 wurde ja kürzlich in Bolivien gesetzlich wieder erlaubt.

“Vamos juntos”, so heißt die Organisation, die sich um die Schuhputzer und ihre Familien kümmert und auch die Stadttouren organisiert. Vor ca. 15 Jahren von einer Deutschen gegründet, arbeitet Vamos Juntos heute mit etwa 500 Schuhputzern und deren Familien zusammen. Das Ziel ist es dabei, die individuellen Lebensbedingungen  und gleichzeitig das Bild der lustra zapatos in der Gesellschaft zu verbessern. Dazu soll insbesondere auch die Stadttour beitragen. Vamos Juntos bekommt übrigens keine staatliche Hilfe, sondern finanziert diese wichtige Arbeit nur über Spenden. Einen großen Beitrag leisten auch die Weltwärts-Freiwilligen, die regelmäßig auf der Straße mit den Schuhputzern sprechen, um unmittelbar von Problemen und Sorgen in deren Familien zu errfahren. Mehr Infos über die Organisation und auch den Kontakt für die Stadttour findet Ihr auf www.vamosjuntos.de

 

Bolivien – Carnivore III – Pique Macho

Pique Macho oder auch A lo Macho ist ein typisches bolivianisches Gericht, das wegen seiner dargereichten Menge stets auf einer oder mehreren Platten serviert werden muss. Üblicherweise trägt diese Platte auf einem Berg Pommes gegrillte Rindfleischstücke, Würstchen Frankfurter Art, Zwiebeln, scharfe Paprika aber auch Spiegeleier. Um bei der Labung die Gleitfähigkeit der unterschiedlichen Bestandteile auf einen gleichwertig hohen Wert zu bringen wird über die Platte Ketchup, Mayonnaise und/oder auch eine nur in Amerika existierende Form von gelb-transparentem Senf gegossen.
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Einer urbanen Legende folgend wird es so genannt, weil man macho ist, wenn man alles alleine aufgegessen hat – natürlich vorausgesetzt, dass man männlichen Geschlechts ist. Dieses macho-Sein beinhaltet eine Reihe von gesellschaftlichen Verpflichtungen, gestattet andererseits aber auch eine Reihe von Privilegien.

Zu den Verpflichtungen zählt zunächst, die Haare mittels einer sich stark verfestigenden Gel-artigen Substanz zu einer Art glänzendem Helm zu formen. Um den gewünschten kriegerischen Ausdruck in erhöhte Glaubwürdigkeit zu versetzen gehört zum Erscheinungsbild weiter das Tragen einer grün oder blau spiegelnden Sonnenbrille, deren Designmerkmale auch unter dem Begriff „Pornobrille“ zusammengefasst sind. Mit getakteten Schritten durchmisst man nun private und öffentliche Räume in spitzen Lederschuhen.
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Bedauerlicherweise gehört zu den Verpflichtungen auch die Aufnahme von lohn- oder häufiger verbeamtungsfähigen Tätigkeiten, die jedoch allesamt in sitzender oder liegender Haltung auszuführend sind. Ersatzweise – und das ist die Regel – können diese Verrichtungen auch einfach nur simuliert sein. Es gehören dazu alle Fahrertätigkeiten – wie gesagt auch alle simulierten Führungstätigkeiten an rollbarem technischem Gerät – viele Kassiertätigkeiten und vor allem Durch- und Vorbeiwinktätigkeiten.
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Dem steht eine Reihe von körperorientierten Privilegien gegenüber, die hinsichtlich der beteiligten Organe in einem Bereich angesiedelt sind, der gemeinhin mit „Untenrum“ hinreichend beschrieben ist. Grundsätzlich kann eine Hand somit stets am Schritt aufliegend mitgeführt werden; zum Schutz und zur Zugriffssicherung des primären Geschlechtsteils. Weiterhin müssen auch international gültige Regeln zum Schutz der Intimsphäre von Frauen in Toilettenanstalten nicht nur nicht beachtet werden, sondern es besteht augenscheinlich auch eine gewisse sportliche Erwartung zur Missachtung selbiger. Hierfür sind entsprechende Hinweisschilder angebracht.
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Sollte sich dies aus bautechnischen Gründen nicht ermöglichen lassen ist der Betreiber der Anlage offenbar dazu aufgerufen, geeignete technische Einrichtungen zu schaffen, die ersatzweise eine mittelbare Reizstimulation zulassen.
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Bolivien – La Paz – 2900 bis 4000 m

Der Anflug auf Nuestra Señora de La Paz oder besser auf ihren Flughafen in El Alto darf als spektakulär bezeichnet werden. Eine der Besonderheiten dabei ist, dass man nach Erreichen der normalen Flughöhe nicht mehr allzu viel an Höhe verlieren muss, um auf der endlos lang erscheinenden Landebahn aufzusetzen. Die dünne Luft bei 4000 m über dem Meeresspiegel macht die erhöhte Geschwindigkeit und damit die längere Startbahn erforderlich. Meine laienhaften Luftfahrt-technischen Kenntnisse lassen die Annahme zu, dass auch der Landevorgang entsprechende Anforderungen stellt.
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Zuvor ziehen die schneebedeckten Gipfel zahlreicher andiner 6 und 7 Tausender am Fenster vorbei um dann nur wenige Meter über den ausgedehnten Flechtenteppich aus roten Backsteinmauern, -häusern und gleisenden Blechdächern hinwegzugleiten und schließlich Bodenkontakt zu erhalten.
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Der chaotische Verkehr gab dem Taxifahrer die Möglichkeit unsere stichwortartigen Fragen abzuarbeiten: Oben wohnten die Armen, dort sei immer Vorsicht angebracht! Unten, wo die Reichen residierten, sei es sicherer aber uninteressant. Im aufstrebenden Stadtteil Sopocachi wohnten wir irgendwo dazwischen.
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Oben und unten seien durch 3 Seilbahn-Linien miteinander verbunden, gelb, grün und rot; ein Wahlkampfversprechen von Evo Morales. Die Stadt habe ein enormes Verkehrsproblem, eine U-Bahn in die Berghänge aus Granit zu hauen wäre zu teuer, also müssten die Österreicher es richten, die sich bestens auf Seilbahnen verstünden.
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Das Taxi folgte der Serpentine Richtung Talkessel durch ein Meer unverputzter Bauten, deren Zahl, Lage und Bauart einen eher informellen Eindruck machten. Wir wussten bereits aus vorhergehenden Gesprächen, dass der Umstand des fehlenden Verputzes einem bolivianischen Gesetz zu verdanken war.
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Dieses sah eine Steuer nach der Fertigstellung eines Gebäudes vor, wobei die Schwelle der Fertigstellung mit dem Auftragen des Putzes überschritten wurde. Graffiti gilt dabei nicht als Putz. Nach Köln oder Amsterdam also wieder eine Stadt, deren Gesicht unwissentlich durch ein Steuergesetz geprägt wurde.
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Moderne Wolkenkratzer markierten den Stadtkern auf der Talsohle, bei näherer Betrachtung ist es ein Gemenge von Kolonial-, Diktatur- und Milleniumsarchitektur mit ordentlicher Patina in Abhängigkeit vom Entstehungszeitpunkt.
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Irgendwie konnte die technische Infrastruktur schritthalten und ist mit gewachsen.
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Diese Mischung fand in den Menschen auf den dicht bevölkerten Straßen und Plätzen eine erstaunliche Entsprechung.
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Kinder dürfen nach einem neueren Gesetz wieder arbeiten. Diese Formulierung ist keine Ironie, denn die Regelung stellt eine Anpassung an die Wirklichkeit dar und ermöglicht eine gewisse Kontrolle.
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Insbesondere Kinder der indigenen Bevölkerung sind zahlreich auf der Straße anzutreffen. Dort wird keineswegs immer nur gespielt und ihre Verfassung und augenscheinliche Situation ist als sehr traurig zu bezeichnen, wobei das Dasein als Schuhputzerjunge noch das Bessere ist.
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Die Regierung Morales hat zudem eine Maßnahme übernommen, die schon in Brasilien die Bildungschancen der Heranwachsenden erhöht: Mütter erhalten Geld, wenn ihre Kinder zur Schule gehen. Leider fallen Tag der Auszahlung und Überprüfung zusammen, so dass die Klassenzimmer nur zu diesen Tagen gefüllt sind. Auch reicht das Geld eigentlich nicht um die Kosten für die benötigten Bücher abzudecken, aber immerhin.
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Ein Hinweis in einem Reiseführer auf einen Markt für Utensilien des Hexenhandwerks war hinreichend um unsere Neugierde in Flammen zu setzen. In zwei kleinen Straßen konzentrierten sich die Läden für die Zutaten des in Europa aus der Mode gekommenen Gewerkes.
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Meist handelt es sich um Miniaturabbildungen des durch den Auftraggeber der Hexerei begehrten Zustandes oder Objektes, dann um allerlei Pülverchen und schließlich um die Föten von Lamas. Diese stehen im Ruf, Glück und Wohlstand zu bringen, wenn man sie in der einen oder anderen Zimmerecke einmauerte.
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Wir schlenderten durch das Gedränge in den Gassen der Altstadt und ergaben uns der Flut aus sensorischen Erfahrungen in Form von Einblicken, Ausblicken, Geräuschen und Gerüchen.
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Der erhaltene historische Teil ist übersichtlich, so dass wir schnell in das Regierungsviertel gelangten. Die 2009 begonnene Umgestaltung Boliviens in einen Plurinationalen Staat hat zunächst die Folge, dass immer zwei Fahnen an jedem staatstragenden Gebäude wehen: Die Nationalfahne Boliviens und das Wiphalla von Qullasuyu, eine Fahne mit dem Symbol der andinen Völker wie z.B. der Aymara.
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Rund um die Plaza Pedro D. Murillo steckt man häufig die Köpfe zusammen um einen politischen Aspekt zu diskutieren.
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Vor dem präsidialen Amtssitz von Evo Morales dagegen herrscht zu plurinationaler Würde geronnene Gelassenheit.
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Da wir direkt an einer gelben Zwischenstation der Teleférico wohnten nutzen wir die Gelegenheit für eine erneute Ausfahrt nach El Alto zum Preis von billigen 3 Bolivianos.
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Die Mitteilungsfreude unserer Kabinengenossen zeigte, wie stolz die Paceños auf ihre Seilbahn sind, auch wenn es immer Kritik an der Gestaltung des Liniennetzes gab. Einer aktuellen Ankündigung zufolge solle es noch um 6 weitere Linien ausgebaut werden, die Farbpalette der Wiphalla bietet hierfür noch genug Spielraum.
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Bolivien – Potosí – 4000 m

“Wir Lateinamerikaner sind arm, weil der Boden, auf dem wir gehen, reich ist.”
Eduardo Galeano
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Es muss das Jahr 1990 gewesen sein, als ich erstmals das Buch mit dem Titel „Die offenen Adern Lateinamerikas“ in den Händen hielt. Die Taschenbuchausgabe zeigte umschlagseitig die Zeichnung eines kegeligen Berges. Es handelte sich um den Cerro Rico – den „reichen Berg“ von Potosí, aus dem die Spanier seit 1545 Unmengen von Silber brechen ließen.
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Das Buch des Uruguayers Eduardo Galeano zählte seit seiner Erstveröffentlichung 1971 zu so etwas wie linksideologischer Propagandaliteratur – ein Genre, das heute gar nicht mehr existiert. Seinerzeit bot es eine günstige Gelegenheit, unbequeme Zusammenhänge beschreibende Texte zu diskreditieren. Ich erinnere gerne daran, dass die exakteste Beschreibung des Kapitalismus’ ever bis heute “Das Kapital” darstellt, was aber niemand mehr wissen wollte, weil es von diesem Karl Marx geschrieben wurde.
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Nun ist das Buch des Lateinamerikaners so etwas wie ein Klassiker, der Berg das Symbol für ungebremste Habgier und Gegenstand vieler Redensarten; er ist gleichzeitig der Ort, an dem die Kirche ihre Unschuld zu Grabe getragen hatte; ich überlasse anderen, zu beurteilen, ob sie zuvor eine besaß. Für den millionenfachen Tod in den Bergwerken und Gießereien hat sie 1992 erstmalig Mitverantwortung eingeräumt.
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Der Papst nannte es Fehler bei der Evangelisierung einheimischer Stämme in Lateinamerika. Wie auch immer, das Silber hat sie damals eingetauscht gegen vergoldete Altäre.
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Alles scheint vergessen und vergeben, die Einwohner von Potosí – einst die reichste Stadt der Welt – gehen ihrem Alltag nach. Dafür bleibt ihnen auch wenig Zeit, denn die Lebenserwartung ist kurz.
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Die aschegraue, Schwermetall-verseuchte Abraumhalde vor dem Tor der Stadt verseucht das Wasser, das bringt den Krebs und der den frühen Tod.
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Eine Maske mit einem zweideutigen Lächeln ist das Gesicht des modernen Boliviens. Meine persönlichen Lieblingskunstwerke sind die Jungfrauenbilder, die anonyme Künstler nach der Eroberung durch die Spanier geschaffen haben.
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Sie müssen Eingeborene gewesen sein, denn trotz der verlorenen Deutungshoheit haben sie ihre religiösen Symbole im Bild untergebracht: Sonne und Mond. Unter dem Gewand der Jungfrau ist der Cerro Rico dargestellt, auf ihm der erste Inka, der – nach der Legende – mit einem goldenen Stab auszog um eine Stadt zu gründen. Wir werden diese Stadt noch besuchen…
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Bolivien – Tarabuco – 3300 m

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Wer mit dem Flugzeug über das Anden-Hochland fliegt, kann mit etwas Glück durch die Lücken der Wolkendecke die zahllosen Dörfer und Siedlungen erkennen, die die Zivilisation dort wie zufällig verstreut hatte. Sie sind durch ein grobmaschiges Netz aus Pfaden und Wegen miteinander verbunden, das wahrscheinlich nur an wenigen Stellen ein motorisiertes Befahren erlaubt. Karg, kalt und schlicht scheint dort der Alltag und doch überkam uns eine gewisse Sehnsucht, dieses Leben einmal näher kennen zu lernen.
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Mit dem klapprigen T3-VW-Bus unserer Herbergseltern rasselten wir entlang einer stillgelegten Eisenbahnstrecke, die einst dem Altiplano nochmals 1000 Höhenmeter abrang. Die einseitig wirkende Bremse gestattete vor den Kurven einen Blick in tiefe Täler, deren Hänge unserer Fahrbahn eine natürliche Begrenzung bereiteten.
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2 Stunden später hatten wir den Marktflecken San Pedro de Montalván de Tarabuco erreicht. Am Ortsrand angebundene Packesel deuteten auf ein reges Marktgeschehen hin. Zahlreiche Campesinos waren aus den mehr oder weniger entfernten Dörfern gekommen um ihre Vorräte aufzufüllen, das Ergebnis ihrer Arbeit anzubieten oder an den DVD-Ständen für einen Moment in die Traumwelten von Disney, Hollywood und Co. zu versinken.
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Was nach mühevollem Hämmern und Schmieden an einfachen Werkzeugen geschaffen wurde, ließ sich hier für wenige Bolivianos erwerben; nichts weniger als weiteres Ackern und Schuften war die Folge des Kaufs, um dem steinigen Boden eine kleine Ernte abzuringen.
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Erträglich wird dieses Tun durch das andauernde Kauen von Koka-Blättern, die zu einer Kugel geformt in einer Backentasche ihren Wirkstoff allmählich an den Konsumenten abgeben.
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Die Zeit, die neben dem Aufrechterhalten dieses Kreislaufes blieb, wird zum Anfertigen von allerlei Kunsthandwerk genutzt, das ich zunächst für Touristen-Tand hielt. Tatsächlich ist es durchaus üblich, den eigenwilligen Kopfschmuck aufzutragen, dessen Design nicht selten an Uniformen aus den Zeiten der spanischen Eroberung erinnerte.
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Bolivien – Sucre – 2800 m

Der Boden unter uns schwankte noch als wir am Ende einer Serpentinenfahrt aus dem Bus torkelten. Allen Anfeindungen an den Sinn für das Gleichgewicht zum Trotz war das Kopfsteinpflaster unter unseren Füßen ein Teil der unangefochtenen Wohlfühl-Hauptstadt Boliviens.
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Die behutsame Erhaltung der Altbausubstanz aus Kolonialzeit bzw. junger Republik, die frühe Etablierung von akademischen Bildungseinrichtungen und eine gewisse wirtschaftliche Bedeutungslosigkeit haben den Bischofsitz zu einem Hort lebenshungriger Studenten oder entspannungssuchender Touristen gemacht.
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Gläubige finden in Sucre Bewegungsfreiheit für Rituale und Zeremonien auch außerhalb der – wie immer – prächtigen Kirchen.
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Die blitzblanke Plaza bietet Raum für unaufgeregtes Amüsement, wobei stets ein Hauch von Provinzialität zu spüren ist. Landbevölkerung in bunter und traditioneller Kleidung mischt sich ins Stadtbild. Dessen Kinder betteln in den Straßencafés nach Münzgeld. Ich reiche ein Stück übrig gebliebenen Schokoladenkuchen an kleine Hände weiter, die nur selten eine gründliche Reinigung erfuhren.
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